Freitag, 31. Dezember 2010

Dschungelbuch

Es gibt hier in der Nähe eine Maya-Fundstätte, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist. Und weil die Zahl der Boote begrenzt ist, brechen wir sehr zeitig auf.

Auf diesen schmalen Booten mit Außenborder sollen je 12 Leute Platz finden? Jeder unbedachte Schritt kann das Boot zum Kentern bringen, und es geht bei jedem neuen Passagier, der an Bord kommt, eine entsprechende Lautäußerung durch die Reihen derer, die schon sitzen, Rücken zur Reling und Füße auf dem Mittelsteg.

Dann spritzt Gischt auf, denn es geht los. Eine gute halbe Stunde lang fahren wir den Grenzfluß zu Guatemala hinab bis zur Anlegestelle der Maya-Stätte Yaxchilan, auf deutsch "grüne Steine". Und grün sind sie wirklich, die Ruinen zwischen all den Bäumen, die hier zum Teil stehen geblieben sind und der Stätte ein magisches Flair verleihen. Dazu paßt auch, daß der Zugang durch ein labyrinthisches Gebäude fùhrt, zu dem man sich, der Dunkelheit im Inneren entflohen, erst einmal verwundert umdreht und fragt, durch welche der drei Öffnungen man denn nun gekommen ist, des späteren Rückwegs wegen.

Dieser Rückweg ist natürlich mit einer weiteren, noch längeren Bootsfahrt verbunden, denn dieses Mal geht es flußaufwärts.

Als Nächstes steht heute ein Besuch bei den Lakandonen an, den lebenden Nachfahren der Maya, die ihr Erbe hier in Bonampak mit Argusaugen vor möglichen Schäden durch unvorsichtige Touristen bewahren. Die Grabkammer mit den weltweit einzigartigen Wandmalereien dürfen immer nur 3 Personen zugleich betreten, wobei Taschen und andere umgehängte Gegenstände draußen bleiben müssen.

Die Lakandonen, von denen es etwa 500 gibt, haben eine eigene Sprache, die sehr effizient sein muß, denn die lakandonischen Texte sind deutlich kürzer als die inhaltsgleichen spanischen und sogar kürzer als die englischen. Aber es fehlt ihnen offenbar an einem Personengedachtnis, so daß ich mein Permisio, das ist die Erlaubnis mit Video zu filmen, an derselben Stelle gleich dreimal vorzeigen muß.

Nun wenden wir uns der Heimfahrt zu, und da um Punkt 17 Uhr bei uns zuhause gerade die Raketen fliegen, halten wir kurz bei einem kleinen Markt an, um dann im Bus mit einer Dose Corona auf das neue Jahr anzustoßen.

Amüsiert stelle ich fest, daß unser 2010 insgesamt 19 Stunden länger war als bei anderen Leuten, denn begonnen hat es in Neuseeland 12 Stunden früher, und es endet hier in Mexico 7 Stunden später als zuhause. Wenn das kein Grund ist, im Hotelgelände noch eine sommerlich-milde Silvesternacht im Freien zu verbringen.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Endlich bei den Maya

Die erste Etappe ist heute nur ein Katzensprung. Es gibt hier in Villahermosa nämlich ein Freilichtmuseum mit Zoo. Zuerst durchstreifen wir einen Regenwald mit allerlei Steinmonumenten, gigantische Köpfe mit negroiden Zügen und umgeben von allerlei symbolhafter Ornamentik. Ein häufiges Motiv ist der Leopard. Den gibt es nebenan dann auch im Original zu sehen, knurrend durschstreift der mächtige und zugleich ohnmächtige König des Regenwaldes seine vergitterte Welt.

Die roten Aras scheinen sich in ihrer Freiflug-Voliere hingegen recht wohl zu fühlen. Einer von ihnen sitzt direkt neben dem Weg, aber als ein Besucher die Hand nach ihm ausstreckt, tut er krächzend sein Mißfallen kund. Aras lassen sich hier nur von Aras kraulen, ob rot oder grün, scheint allerdings keine Rolle zu spielen.

Dynn geht es endlich nach Palenque, einer der wichtigsten Maya-Stätten. Mehrere dem Dschungel abgerungene Pyramiden und andere mehr oder weniger gut erhaltene Bauten laden zum Bewundern und Besteigen ein. Eine der Grabkammern tief im Inneren ist zugänglich, aber der Zugang ist eng, und es herrscht Begegnungsverkehr.

Die Aufbauten oben auf den Plattformen sind zum Teil verloren gegangen, die heutigen Außenwände lagen ursprünglich innen. An mehreren Stellen finden sich steinerne Reliefs und Hieroglyphen, die allerdings noch nicht vollständig entziffert werden können.

Unser heutiges Hotel besteht aus verstreuten kleinen Häusern im Maya-Stil, romantisch zwar, aber insgesamt etwas herunter gekommen. Morgen ist schon um 5 Uhr Wecken, es geht zu einer Maya-Stätte mitten im Dschungel.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Kakaoplantage

Wenn ich Reiseleiter gewesen wäre, ich hätte die Bootsfahrt einfach auf heute morgen verschoben, denn auf unserer Fahrt nach Villahermosa kommen wir nochmal an derselben Stelle vorbei, an der wir gestern die Boote enterten.

Die Nacht war kalt, denn San Christobal liegt auf über 2000 Metern Höhe. Hier lebt ein Menschenschlag wie aus dem Bilderbuch: kleinwüchsig, bunt bekleidet - und ausgesprochen geschäftstüchtig. Alle paar Schritte werden uns irgendwelche Halsketten, Tücher oder sonstiger Tand unter die Nase gehalten. Kopfschütteln gerät neben Schauen zur Hauptbeschäftigung.

Inzwischen steht die Sonne schon wieder tief. Wir haben die Berge der Sierra Madre und den Besuch einer Kakaoplantage hinter uns. Kakaufrüchte wachsen übrigens nicht an den Ästen, sondern direkt am Stamm. Die anschließende Weiterfahrt verzögert sich, denn wir haben eine Reifenpanne. Wir verkürzen uns die Wartezeit mit einer Flasche Corona oder Negra, je nach Gusto.

In Mexiko scheint es keine Müllabfuhr zu geben, der Abfall wird einfach irgendwo abgekippt, und entsprechend vermüllt sieht die Landschaft aus. Hier im Bundesland Tabasco deckt aber eine gnädige Vegetation das meiste davon zu.

Im Hotel das übliche Programm: Verteilung der Schlüssel, den Trägern die Zimmernummer zum Gepäckstück vermitteln, dann aufs Zimmer, 20 Uhr gemeinsames Abendessen. Morgen 6:30 Uhr Wecken, um 7 Uhr die Koffer vor die Zimmertür stellen, Frühstück, 8 Uhr Schlüsselabgabe und Abfahrt.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Affe und Krokodil

Eine ungeplante Verzögerung kann den Zeitplan einer Rundreise ganz schön durcheinander wirbeln. Für heute steht ein Besuch der Sumidero-Schlucht auf dem Programm, und da wir eine mehrstündige Fahrt vor uns haben, brechen wir sehr früh am Morgen auf.

Ausgerechnet heute fällt das Frühstück äußerst bescheiden aus, statt Buffet gibt es Zwieback, ein Tellerchen Rührei und einen Kaffee, den nachzuordern der reinste Masochismus wäre. Ein reiches Mahl hatten hingegen die Stechmücken, denn wir sind im Hinterland der Küste. Meine Unterarme sehen nach der Attacke wie zwei Streuselkuchen aus.

Kurz vor dem Etappenziel geht dann plötzlich nichts mehr: "Das ganze Jahr ist die Straße hier schon kaputt, und ausgerechnet zur Hauptreisezeit wird daran gebaut", echauffiert sich der Reiseleiter. Zwei Stunden kostet uns die Planungspanne der örtlichen Verwaltung. Und weil sich mangels anständiger Grundlage auch der kleine Hunger immer energischer zu Wort meldet, muß die Flußfahrt bis nach der Pause warten.

Endlich geht es los, wir dürfen das Motorboot besteigen, das uns anschließend in beängstigendem Tempo und mit wild aufspritzender Gischt hineinträgt in die Felsenschlucht, die einst einfach nur Schlucht war, durch den Stausee an ihrem unteren Ende aber zum Abenteuerspielplatz wurde. Denn natürlich lassen sich die wilden Tiere vom Boot aus viel leichter beobachten, falls sie denn nicht längst das Weite gesucht haben angesichts der vielen lärmenden Außenborder.

Da, ein Krokodil ! Dösend liegt es auf einem Stein, einem Baumstamm gleich. Und dort, ist das nicht ein Affe im Geäst? Erst als sich der dunkle Fleck ein Stück weit durchs Geäst bewegt, sind wir sicher. Deutlicher zu erkennen ist da schon der Pelikan. Die Bootsführer scheinen die Lieblingsplätze der Tiere genau zu kennen.

Inzwischen streifen die letzten Sonnenstrahlen die oberen Schluchtwände. Wir erreichen das letzte Ziel der Fahrt, einen versinterten Wasserfall, der wie eine versteinerte Tanne aussieht. Und so heißt er auch: El Arbol de Navidad.

Zurück am Bus bricht alsbald die Dunkelheit herein. Es geht hinauf nach San Christobal, einem Städtchen mit vielen interessanten Menschen. Aber die müssen bis morgen warten.

Montag, 27. Dezember 2010

Panamericana

Wenn einer eine Bus-Rundreise unternimmt, sieht er in kurzer Zeit relativ viel, aber dieses Viel beschränkt sich auf die Highlights, die kleinen Begebenheiten am Wegrand kommen zu kurz. Ein blattlose Baumkrone mit großen dottergelben Blüten - vorbei. Ein Wald aus Kakteen, unverzweigt wie die Bohnenstangen - vorbei. Hügelhorizonte im Gegenlicht - vorbei. Ein Baum, dessen Früchte wie kleine grüngelbe Lampions aussehen - vorbei. Ein Ochsengespann - vorbei. Als der Bus endlich anhält, ist von alledem nichts mehr zu sehen, dafür ringsum Staub, unverputzte Mauern, zugemüllte Anwesen, häßliches Gerümpel und ein Drahtverhau über unseren Köpfen. Mexiko ist nicht überall schön.

Seit heute morgen schon folgen wir der Panamericana, von der Oaxaca-Hochebene durch die Sierra Madre del Sur bis nunmehr fast an die Pazifikküste. Zu sehen gibt es hier nichts, das eigentliche Ziel der Etappe liegt einige hundert Kilometer nordöstlich, wir werden es morgen am frühen Nachmittag erreichen.

Allein die letzte Wegstrecke hierher war abenteuerlich: die Teerstraße endete urplötzlich, die Schotterpiste wurde immer enger und kurviger, und die Leute am Wegrand wunderten sich. Wahrscheinlich war hier in den letzten 100 Jahren kein einziger Bus durchgekommen. Nach gefühlten drei Kilometern sind wir endlich wieder auf der Straße, die Julio, unser Busfahrer, offenbar verpaßt hatte.

Der Morgen begann mit dem Versprechen unseres Reiseleiters, uns zu einem Baum mit 46 Metern Stammumfang führen zu wollen. Und tatsächlich ist der Árbol del Tule ein Gigant, die Sumpfzypresse gilt als der größte Baum der Welt.

Kein Tag ohne ein Bauwerk aus der vorspanischen Zeit! Die Ruinen von Mitla zeigen interessante geometrische Muster, die nicht nur eine ornamentale Funktion hatten, sondern vor allem der Erdbebensicherheit dienten: die mörtellos diagonal aneinander gefügten kleinen Bausteine konnten Erdbewegungen wegstecken, ohne daß die Gebäude dabei einstürzten.

Auf dem Programm stand heute auch eine Mezcal-Fabrik. Hier werden Agavenstrünke zu Schnaps verarbeitet, dem Mezcal eben. Oder, wenn dasselbe im Ort Tequila geschieht, zu Tequila. Das ist auch schon der ganze Unterschied.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Tempel mit Observatorium

Woher der Monte Albán, der Berg mit der zapotekischen Tempelanlage auf seinem Gipfel, wohl seinen Namen hat? Es gibt viele Erklärungen, dabei liegt es doch auf der Hand, daß es um die vielen weiß blühenden Casaquate-Bäume geht. Früher, als die Ruinen noch nicht freigelegt waren, mögen es wohl noch viel mehr gewesen sein.

Auch hier gruppieren sich zahlreiche Pyramiden in den unterschiedlichsten Erhaltungszuständen um den zentralen Platz, der trotz seiner immensen Größe wie eine Miniatur der umgebenden Berglandschaft wirkt. Viele Mauern sind noch im originalen Zustand erhalten. Den Erbauern war bereits bekannt, daß das Jahr genau 365 und einen viertel Tag lang ist. Solche präzisen Kenntnisse verdankten die Zapotheken unter anderem einem Schacht, über dem die Sonne genau zweimal pro Jahr senkrecht steht. Leider darf man ihn aber nicht besichtigen.

Alle Mexikaner haben heute freien Eintritt, und darum ist auch allerhand los.

Nachmittags besuchen wir den Markt von Oahaca. Die Enge und die Vielfalt der Gerüche hier bringen einen schier um. Spezialität der Region sind eßbare Heuschrecken, die an allen Ecken und Enden angeboten werden. Wir wenden uns lieber dem Lokal zu, wo ein touristenkompatibles Mittagessen auf uns wartet.

Unseren Abend gestaltet heute eine Folkloregruppe, die Trachten und Tänze aus allen Landesteilen der Provinz Oaxaca zum Besten gibt. Da fliegen die Röcke, da kann sich das Auge kaum sattsehen an all den bunten Stoffen.

Samstag, 25. Dezember 2010

Weihnachten in Mexiko

So haben wir noch nie einen ersten Weihnachtsfeiertag verbracht: im T-Shirt unter den Arkaden eines mexikanischen Restaurants sitzend, während vom belebten Platz unter uns ein buntes Gemisch aus lateinamerikanischen Rhythmen und andinen Panflöten heraufklingt, natürlich ohne daß eines zum anderen paßt. Weihnachten ist in Mexiko ein Volksfest, auf den bunt geschmückten und mit Lichterketten verzierten Plätzen werden Luftballons und allerlei Spielzeug feilgeboten, man flaniert durch die Straßen, an allen Ecken wird Musik gemacht, und die Menschen uns herum sind ausgelassen. Unser Reiseführer hat uns ausnahmsweise allein gelassen, er trifft sich heute mit seiner Familie. Es sei ihm gegönnt.

Der gestrige Festtagsschmaus mit Truthahn nahm einen etwas hektischen Verlauf, offenbar wollte das Personal rechtzeitig zuhause sein, uns so kam die Getränkerechnung schon, als alles noch am Nachtisch löffelte. Und auch die Musikkapelle hatte sich, nachdem sie in ohrenbetäubender Lautstärke einige recht unweihnachtliche, dafür aber wohlbekannte Gassenhauer in zum besten gegeben hatte, eilig aus dem Staub gemacht. Endlich könnte man sich mit den anderen Gästen unterhalten, aber dafür bleibt keine Zeit mehr, und so wechseln einige hinauf in die Lobby, und auch wir sind dabei.

Heute morgen hieß es dann Abschied nehmen von Puebla. Vorbei am höchsten Berg Mexikos und an riesigen Kandelaber-Kakteen geht es durch eine abwechslungsreiche Landschaft weiter nach Oaxaca (das spricht sich Oa-haka), welches die schönste Stadt Mexikos sein soll. Und tatsächlich gibt es hier schmucke Gassen mit bunten Häusern und Plätzen mit schattenspendenden Bäumen.

Wir besichtigen das Museum zur zapotekischen Tempelanlage "Monte Albán", die für morgen auf dem Programm steht. Leider fehlt es hier an allem, was ein modernes Museum ausmacht: kein Modell, keine Rekonstruktion, keine Schautafeln, nichts. Nur Reihen von Vitrinen mit den Funden von der Ausgrabungsstätte: Tongefäße, Goldschmuck, Knochen. Ohne unseren Reiseführer würden wir hier kaum irgend einen Erkenntnisgewinn verbuchen.

Dafür ist das Hotel ein Genuß, mit einer Einschränkung, und die heißt Zimmersafe. Der unsere schließt nicht, obwohl ich genau nach Anleitung vorgehe. Ein Mitarbeiter des Hotels kommt. Er wird den Safe reparieren, aber wir können ja unsere Gruppe nicht so lange warten lassen. Ob wir unsere Wertsachen so lange im Safe des Reiseleiters...? Aber oh Schreck, bei ihm dasselbe Problem. Inzwischen schraubt der Haustechniker am Safe herum, wechselt die Batterien, ohne Erfolg. Und die Gruppe wartet. Entnervt stecke ich alle Wertsachen in eine Stofftasche und hänge sie mir beim Stadtrundgang einfach um.

Freitag, 24. Dezember 2010

Ein Hügel, der keiner ist

Die Millionenstadt Puebla liegt zwar zu Füßen des Popocatepetl, aber es ist heute so dunstig hier, daß wir nicht die Spur von einem Vulkankegel sehen - und das, obwohl wir einen kleinen, von einer Kirche bekrönten Hügel besteigen.

Der Hügel von Cholula ist aber kein Hügel, sondern eine aztekische Pyramide, die seit einem Ausbruch des Popocatepetl vor etwa 1200 Jahren unter einer meterhohen Ascheschicht begraben liegt. Heute hat man Teile davon wieder freigelegt und insbesondere einen langen Tunnel gegraben, um den verschütteten Giganten genauer zu erforschen. Nicht ganz so hoch wie die Cheopspyramide in Ägypten, hat er doch wegen der größeren Kantenlänge mehr Volumen und gilt somit als die größte Pyramide der Welt. In der Nähe gibt es einen ähnlichen Hügel mit Kirche obenauf, wer weiß, ob darunter vielleicht auch...?!

Heute wartet ein ganz besonderes Hotel mit einzigartigem Flair auf uns. Es liegt mitten im Stadtzentrum von Puebla, und so verbringen wir den Nachmittag vor Heiligabend mit einem Rundgang durch die lebhaften, weihnachtlich geschmückten Gassen. Heute abend soll es Truthahn geben, wir sind ja schließlich in Amerika.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Bienenstich, mexikanisch

Ausnahmsweise gibt es heute kein Standard-Frühstück mit Rührei und Marmelade im Portionspack, sondern Kartoffeln und Tacos, beides gut gewürzt.

Ziel der heutigen Fahrt ist die Silberstadt Taxco. Dort lebte man früher ganz gut vom Silberabbau, aber heute wird digital fotografiert, dafür braucht es keine silberhaltigen Filmemulsionen mehr. Silber wird seitdem in Taxco nur noch an Touristen verkauft ... und wir sind Touristen. Deshalb stehen wir schneller als uns lieb ist im ersten Silbergeschäft am Platze, trinken aus Silberbechern "Paloma" - Tequila mit Grapefruitsaft - und lassen uns erklären, worauf wir beim Silberkauf achten sollten. Aber kaufen tun wir nicht. Schlechte Touristen heute.

Das Städtchen ist gepflegter als andere, anscheinend lassen hin und wieder doch einige Menschen Geld hier. Wir laufen die enge Hauptstraße, auf der fast nur Taxis verkehren, hinauf zur prächtigen Kirche im typisch mexikanischen Baustil. Da für den Nachmittag noch eine weitere Stadt auf dem Plan steht, halten wir uns aber nicht allzu lange in Taxco auf.

Beim Warten auf den Bus ... aua, ein Insekt hat sich in den Ausschnitt meiner Liebsten verirrt und fühlte sich an diesem intimen Ort so unwohl, daß jetzt ein roter Punkt die Stelle markiert, wo es seinen Stechapparat ansetzte und auch zurückließ. Die Señora aus dem Silberladen ist hilfsbereit mit Knoblauch und einer halben Limone zur Stelle. So ganz können die Hausmittel die Schwellung aber doch nicht verhindern.

In Cuernavaca, unserem nächsten Ziel, treffen wir erst ein, als die letzten Sonnenstrahlen die Spitzen der Kirchtürme streifen. Die dortige Hauptkirche ist im Inneren sehr modern gestaltet, ein interessanter Kontrast zum äußeren Erscheinungsbild.

Ein Taxi geleitet den Bus durch die engen Straßen zum Hotel. Heute müssen die schweren Koffer zwar nur bis in den ersten Stock, dafür gibt es aber leider keinen Aufzug hier.

Das Abendessen nimmt eine überraschende Wendung, als plötzlich Wasser aus einem gebrochenen Rohr unsere Füße umspielt. Wir ziehen notgedrungen um, aber dort zieht es. Und so findet uns der Kellner jedes Mal an einem anderen Tisch.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Die Felsenspringer von Acapulco

Wir residieren heute im 21. Stock und haben einen phantastischen Blick über die Bucht von Acapulco. Sonnenuntergangs-Romantiker sollten darauf bedacht sein, daß ihr Urlaubsort an einer Westküste liegt.

Nach sehr zeitigem Aufbruch heute morgen sehen wir in der Ferne zum ersten Mal den rauchenden Berg, den Popocatepetl. Mexico City liegt ja bereits sehr hoch, und so merken wir kaum, daß die Straße schließlich auf über 3100 Meter ansteigt, um uns schließlich an Guernavaca vorbei und durch die Bergen der Sierra Madre an den einst mondänen Ferienort zu geleiten, der seine besten Zeiten allerdings längst hinter sich hat.

Das ersehnte Bad im Pazifik muß allerdings noch warten, denn zunächst geht es hinaus zur Klippe der Felsenspringer, die sich todesmutig aus bis zu 35 Meter Höhe in die schmale Bucht stürzen, sehr zur Begeisterung der zahlreichen Zuschauer und nicht, ohne sich vorher an einem kleinen Altar den Segen der Muttergottes erbeten zu haben. Und den brauchen sie in der Tat.

Der Tag war lang, und wir freuen uns auf das erfrischende Bad im Ozean und natürlich den Sonnenuntergang.

Dienstag, 21. Dezember 2010

Schwimmende Gärten

Heute steht eine Bootsfahrt durch die schwimmenden Gärten von Xochimilco auf dem Programm, aber vorher noch besuchen wir den zentralen Platz von Mexico City, die Plaza de la Constitucion, mit der großen Kathedrale, die uns mit Glockengeläut begrüßt.

Die ganze Stadt hat sich weihnachtlich geschmückt. An den Fassaden der Häuser rings um den Zentralplatz prangen riesige Weihnactsstern-Blüten aus Glitzerpapier, und in der Kathedrale selbst ist eine Krippenlandschaft aufgebaut, mit bunt blinkenden Lämpchen dazwischen.

Wie schon die alte Wallfahrtskirche, die wir gestern besuchten, sieht auch dieser Bau irgendwie scheps aus, nicht weil die spanischen Conquistadores das Lot nicht gekannt hätten, sondern des nachgiebigen Untergrundes wegen. Denn die aztekische Stadt, die sich früher an dieser Stelle befand, lag mitten in einem riesigen See, den die Spanier dann trocken legten. Seitdem sinken die Gebäude stellenweise ein und geraten in Schieflage. Die Reste der aztekischen Pyramide, die die Spanier für den Bau der Kathedrale als Steinbruch benutzten, befinden sich ein Stück nebenan.

Die Mexikaner tun sich schwer, ihre kulturelle Identität zu finden. Zu reich und zu hoch entwickelt ist das aztekische Erbe, zu viel davon ist noch heute im Volk präsent, um in den präkolumbianischen Vorfahren nur dumpfe Wilde zu sehen, die von den Spaniern zivilisiert werden mußten. Und so hat der Staat Mexiko, der übrigens zu Nordamerika zählt, seinem Volk ein Nationalmuseum geschenkt, das all diese Kulturen dokumentiert und auch bei uns einen bleibenden Eindruck hinterläßt.

Und dann geht es endlich zu den schwimmenden Gärten. Zwei bunt geschmückte Kähne stehen für uns bereit und werden, nachdem alle darin Platz genommen haben, vom Bootsführer mittels einer langen Stange vorwärts geschoben. An einem Bootsteg legen wir an, und das Essen wird gebracht. Es gibt Gemüsesuppe und Hähnchen mit Reis und Bohnen. Und es schmeckt ganz vorzüglich.

Die Gärten ringsum aber schwimmen schon lange nicht mehr, die Bäume schlugen ihre Wurzeln bis in den Seegrund hinab, die schwimmenden wurden zu festen Inseln und die Zwischenräume zu Kanälen.

Unsere beiden Stocherkähne sind nicht die einzigen. Darf man jemanden einen "fliegenden Händler" nennen, wenn er dabei ein Boot benutzt? Wir wissen es nicht. Aber daß wir weder gehäkelte Decken noch Silberschmuck kaufen wollen, wissen wir ganz genau.

Und dann komt die Musikkapelle an Bord, sechs Leute und jede Menge Töne, die das Ohr beleidigen. Der schräge Klang gehört aber offenbar dazu, und auch die enorme Lautstärke, in der das Sextett sein "La Cucharacha" und "Cielito Lindo" vorträgt. Zum Glück reichte das Trinkgeld nur für genau sechs Lieder, dann lassen die Herren von uns ab und suchen sich neue Opfer. Und auch wir suchen etwas, nämlich unser Hotel auf. Der einzige schwimmende Garten, der uns begegnete, war der Kahn des Bonsai-Verkäufers.

Montag, 20. Dezember 2010

Pyramidenglück

Die größte Stadt der Welt, und wir sind mittendrin. Das Verkehrschaos ist aber weniger schlimm als erwartet. Ob das an der modernen U-Bahn liegt? Die fahre mal unterirdisch und mal außerirdisch, läßt unser Reiseführer verlauten.

Schon bald erkennen wir in der Ferne zwei graue Hügel, die aber keine Hügel sind, sondern die Sonnen- und die Mondpyramide von Teotihuacan. Ihm, der vorne am Mikrophon sitzt, geht der Name ganz leicht von der Zunge, aber er konnte ja auch jahrelang daran üben.

Reiseleiter Luis hält die Gruppe resolut davon ab, unter Auslassung der Gemäuer zur Linken gleich den großen Platz vor der Mondpyramide anzusteuern. In einer Mischung aus Pflichtbewußtsein und Stolz vermittelt er der 22 Köpfe starken Truppe erst einmal das nötige Grundwissen über diesen beeindruckenden Platz.

Von dieser ersten Pyramide zieht sich eine breite, von allerlei geheimnisvollen Bauten gesäumte Straße kilometerweit ins Land, und nachdem wir ihr ein Stück weit gefolgt sind, schiebt sich zur Linken die noch gigantischere Sonnenpyramide ins Blickfeld. Mit 63 Metern Höhe ist sie eine der größten Pyramiden Mesoamerikas, und natürlich reizt es uns, die steilen Treppen hinaufzusteigen bis zur Plattform, die einen überragenden Blick auf die gesamte präkolumbianische Ruinenstadt bietet.

Fast könnte man glauben, es gäbe hier mehr fliegende Händler als Touristen, alle paar Meter wird uns irgendwelcher Tand aus vermutlich chinesischer Billigproduktion angeobten. Wie authentisch hergestellte Stücke aus echtem Obsidian und anderen Halbedelsteinen aussehen, erfahren wir in der nahe gelegenen Schleiferei. Wirklich schade, daß wir kein Museum besitzen und auch keines gründen wollen.

Nach dem Besuch einer weiteren Pyramide, die als Besonderheit einen Vorgängerbau Jahrhunderte lang verdeckt hatte, verlassen wir schließlich diesen faszinierenden Ort und kommen ein gutes Stück stadteinwärts zur Basilica de Guadalupe, die von den Mexicanos sehr geschätzt wird, weil sie das Bildnis einer Madonna verwahrt, die ohne menschliches Zutun auf die Leinwand gelangt sein soll.

Damit auch niemand zu lange vor dem Heiligtum verharrt, gibt es ein Transportband wie im Flughafen, man betritt es und wird im Schrittempo vorbeigefahren.

Frankfurt Chaosport


Endlich sind wir in der Luft, dem Schneechaos am Frankfurter Flughafen entronnen. Denn bevor so ein Riesenvogel abheben darf, müssen erst einmal die Tragflächen und das Leitwerk enteist werden, und die Enteisungsfirma ist an so eienm Tag natürlich ziemlich beschäftigt. Eine halbe Stunde würde es noch dauern, bis die Fahrzeuge mit der Sprühvorrichtung anrückten, gibt der Flugkapitän bekannt.

Nach etwa eineinhalb Stunden ist es endlich so weit, und wir können die rechte Tragfläche hinter einem dicken Nebel aus grünem Sprühnebel verschwinden sehen. Ein Jumbo Jet ist natürlich nicht in fünf Minuten enteist, und als wir dann endlich hinaus geschoben werden aufs Rollfeld, sind geschlagene zwei Stunden verstrichen.

Da stehen wir nun im Schneematsch und warten. Soeben habe sich herausgestellt, daß die Startbahn erst noch geräumt werden müsse, läßt die nun schon vertraute Stimme aus dem Cockpit verlauten. Und so vergeht eine weitere Stunde.

Fast hätten wir es geschafft, endlich abzuheben ... wären nicht inzwischen die Tragflächen wieder vereist gewesen. Er bemühe sich um eine erneute Enteisung, entschuldigt sich der Kapitän, aber das könne dauern, denn die Enteisungsfirma ... aber das wissen wir ja schon. Am Ende sind geschlagene vier Stunden verstrichen. Und wir haben noch Glück gehabt.

Nun liegen also 11 Stunden Flug vor uns. Trotz der vorgerückten Stunde, es ist jetzt kurz nach 18 Uhr, werden wir aber schon um 22 Uhr in Mexico City landen, denn wir fliegen mit der Sonne und dürfen folglich die Uhr zurückstellen. Ein ohnehin langer Tag wird so noch einmal um 7 Stunden länger.

Begonnen hat er heute morgen um 5 Uhr dreißig, denn Punkt 7 Uhr stand das Taxi vor der Tür, und es mußten ja noch die Zahnbürsten in den Koffer. Zum Glück liegt bei Flügen in die USA und nach Mexiko die Freigrenze für Gepäck etwas höher, aber das wußten wir nicht und geizten daher um jedes Gramm.

Wie man einen Koffer wiegt, der auf der Waage stehend das Display verdeckt? Nun, man wiegt sich selbst, einmal mit Koffer und einmal ohne. Zwanzig komma sieben und neunzehn komma fünf Kilo. Aber das Stativ bleibt nicht zuhause, kommt gar nicht in Frage, das wird gebraucht!

Im Frankfurter Airport dann herrscht das blanke Chaos, fast jeder zweite Flug ist annulliert, Passagiere müssen umbuchen oder mit der Bahn weiterkommen. Müssen wir in der langen Schlange warten oder in der ganz langen? Zuerst einmal holen wir uns eine Bordkarte aus dem Automaten. Das geht flott, aber wie sollen wir hier innerhalb der gegebenen Frist unser Gepäck aufgeben?

Eine Dame mit Megaphon weiß Rat: Passagiere nach Japan, USA und so weiter bitte mir nach! Es folgt eine atemberaubende Rallye quer durch den Flughafen, die so manchen Passagierfuß in Mitleidenschaft zieht, denn man will ja den Anschluß nicht verlieren, und es gibt immer einige Leute, die nicht sofort beiseite springen. Schließlich gelangen wir zum Lufthansa First Class Schalter, und ab jetzt geht alles flott: Bordkarten-Kontrolle, Sicherheitskontrolle, Paßkontrolle. Geschafft!

Nachtrag: als ob wir noch nicht genug gewartet hätten heute, bleibt die Gruppe, die sich um unseren Reiseführer Luis schart, erst einmal unvollständig. Zwei Tourmitglieder haben es wohl doch nicht rechtzeitig geschafft, zum Flughafen zu kommen. Nur schade, daß der örtliche Reiseleiter davon nichts weiß, und wir deshalb weitere 2 Stunden mit Warten zubringen.

Um 1.30 Uhr geht es endlich mit dem Bus in Richtung Hotel, und gegen 3 Uhr mexikanischer Zeit - zuhause ist es bereits 10 Uhr, wir sind seit 29 Stunden auf den Beinen - geht dieser lange Tag zu Ende.

Samstag, 6. November 2010

Odyssee durch den Atatürk Flughafen

Die Fahrt mit Tramvay und Metro zum Flughafen dauert nicht länger als eine Stunde, Punkt 9 Uhr stehen wir am Schalter der Turkish Airlines, unser Flug geht um 11 Uhr von Gate 220. So steht es zumindest auf der Bordkarte.

Zur angegebenen Boarding Time erweist sich das Gate als geschlossen. Vom Personal ist zu erfahren, der Flug sei „delayed”. Und er ist nicht der einzige. Schlimmer noch, er steht bisher noch nicht einmal auf der Abflugtafel. Auch 15 Minuten später nicht. Und auch nicht nach einer halben Stunde.

Doch welch ein Schreck: beim nächsten Kontrollblick heißt es plötzlich „Last Call”! An einem anderen Gate, in einem anderen Flügel des weitläufigen Atatürk Airport. Jetzt aber schnell! Vorbei an der Duty Free Area und dem Restaurantbereich sprinten wir hinüber nach 217, wo aber nur ein frustrierendes „Bologna” prangt. Ein rascher Blick auf die Tafel zeigt, daß wir noch 10 Minuten länger warten müssen als die Italiener. Zum Glück sind in der Nähe zwei Sitzplätze frei.

Kaum eine Viertelstunde später schreckt uns erneut ein Blinken hoch: „Boarding”. Wir eilen zum Gate ... und werden barsch zurückgewiesen, „your flight is delayed for two and a half hour". Oder so ähnlich. Aber im Display stand doch...?! Richtig, stand. Als wir zurückkommen - die Sitzplätze sind jetzt natürlich weg - finden wir die Hiobsbotschaft bestätigt. Und wir müssen erneut an ein anderes Gate, wieder drüben in jenem Bereich, den wir vorhin so eilig verlassen haben.

Dieses Mal schlendern wir erheblich entspannter dorthin. Zum Glück kommen wir nicht auf die Idee, die Wartezeit im Restaurant zu verbringen, denn sonst säßen wir jetzt nicht in jenem Airbus 319, der nun doch eine ganze Stunde früher starten soll. Da einige andere aber wohl der Anzeigetafel Glauben geschenkt haben, muß der Flieger letztlich doch warten.

Freitag, 5. November 2010

Im Reich der Medusa

Quer durch dieses unterirdische Gewölbe ruderte einst schon James Bond, direkt in den Keller der russischen Botschaft. Hier war nämlich einer der Drehorte für „Liebesgrüße aus Moskau”. Wir Touristen rudern natürlich nicht, sondern durchschreiten die Zisterne auf bequemen Holzstegen, denn am anderen Ende des antiken Trinkwasserspeichers wartet als besondere Attraktion ein kopfstehend eingebautes Medusenhaupt. Kopfstehend deshalb, weil jeder, der ihr ins Gesicht blickt, sofort zu Stein erstarrt. Die übrigen 12 x 28 Säulen sind hingegen völlig harmlos, und so steigen wir unversehrt wieder ans Tageslicht und in den nächsten Travel Shop für eine Bosporus-Rundfahrt.

Die führt uns zunächst durch abenteuerlich enge und steile Gäßchen ... direkt vor unser Hotel. Wozu eigentlich sind wir von hier zum Treffpunkt gelaufen? Ich weiß: damit wir hautnah miterleben können, wie die Gäste einer Teekneipe Stuhl und Tisch vom Gehweg räumen müssen, damit der Bus hier um die Kurve kommt. In Istanbul spielt sich das Leben auf der Straße ab.

Zusammen mit einer überschaubaren Zahl von Mitreisenden tuckern wir unter der Nachmittagssonne die natürliche Wasserstraße und Grenze zwischen den Kontinenten entlang, zunächst an der europäischen Küste nach Norden und dann an der gegenüber liegenden kleinasiatischen Küste wieder zurück, wobei wir ausgiebig die beiden riesigen Hängebrücken sowie zahlreiche Villen und Paläste bewundern können. Kurz vor Sonnenuntergang besteigen wir noch den „Maiden Tower”, so heißt der Leuchtturm auf einer winzigen Insel.

Unseren letzten Abend widmen wir den illuminierten Moscheen und Wasserspielen, alles in fußläufiger Entfernung vom Aziyadé, das sich als wirklich günstig gelegene Operationsbasis für das historische Istanbul erwiesen hat.

Donnerstag, 4. November 2010

Verwinkelte Gassen

Es gibt eine ehemalige byzantinische Kirche, die man unbedingt gesehen haben muß, leider liegt sie ziemlich weit abseits. Mit der Tramvay fahren wir zunächst in die Nähe der legendären „Landmauer”, die die antike Bosporus-Metropole einst schützte, beim Angriff auf Konstantinopel aber zerstört wurde.

Den Weg zur Kirche suchend durchqueren wir ein eher armseliges Stadtviertel mit engen, verwinkelten Gassen - und absolut touristenfrei. Nach gefühlten zwei Stunden lassen parkende Reisebusse endlich das Ziel in greifbarer Nähe vermuten.

Ihr hohes Alter ist der Kirche schon von außen anzusehen. Auch sie diente vom Ende des 15. jahrhunderts an als Moschee, wovon das angebaute Minarett zeugt. Sämtliche Fresken und Mosaike wurden übermalt, sind aber heute wieder freigelegt und erzählen in farbenprächtigen Bildern die christliche Heilslehre.

Ein noch älteres Bauzeugnis finden wir ein großes Stück stadteinwärts, wo der römische Aquädukt noch heute in beeindruckender Vollständigkeit eine vielspurige Straße quert. Nun ist es nicht mehr weit zur Süleymaniye-Moschee, die größte der Stadt und sicher auch eine der beeindruckendsten, wenn sie denn zugänglich wäre. Zur Zeit sind aber leider die Handwerker darin zugange.

Mittwoch, 3. November 2010

Bleiben Sie auf dem Teppich!

Und keine Fotos, bitte. Der Dolmabahçe Palast aus dem 19. Jahrhundert wird nämlich noch heute gelegentlich zur Repräsentation genutzt, George Bush soll schon einmal hier gewesen sein, und vor zwei Wochen auch Kanzlerin Merkel. Wohl damit sie nicht noch einmal wiederkommt, stehen an den Zugängen Wachleute mit Gewehr und Stahlhelm, die geduldig die vielen posierenden Japaner über sich ergehen lassen.

Drinnen geht es relativ flott durch eine nicht enden wollende Zahl von Räumen, einer prunkvoller als der andere. Kassettendecken, kristallene Lüster, samtene Vorhänge, geschwungene Treppenaufgänge und immer wieder Sitzmöbel aller Art. Das zugehörige Kaffeegeschirr ziert heute die Vitrinen der Schatzkammern, denn es ist aus Gold, Silber oder Porzellan. Und nichts davon darf fotografiert werden.

Die Antworten, die der Haremswächter vor dem bewußten Gebäudetrakt gibt, sind ebenso freudig-perfekt wie nichtssagend: gibt es auch eine deutsche Führung? „Deutsch? Willkommen!” In Italiano? „Uno momento!”. Letztlich beschränkt sich aber die Zahl der Sprachen, aus denen wir wählen können, auf genau zwei: türkisch und so etwas ähnliches wie englisch.

Wie führt man etwa hundert Leute durch ein wenige Quadratmeter großes Hamam mit nur einem Zugang? Ganz einfach: in der Tür rechts halten, drinnen einmal umdrehen und dann im Gegenverkehr wieder hinaus.

Jetzt geht es zur Füniküler. Das liest sich nicht nur wie die Lautschrift des französischen Wortes für Seilbahn, es handelt sich auch um eine solche. Genauer gesagt um eine Standseilbahn, und sie führt durch einen „Tünel” hinauf zum Taksim Platz. Von dort schlendern wir gemütlich wieder hinunter zur Galatabrücke, nicht ohne unterwegs eine Kirche - ja, so etwas gibt es hier - sowie das Hotel besichtigt zu haben, wo Agatha Christie einst ihren „Mord im Orient Expreß” schrieb. Der weithin sichtbare Galataturm aber muß warten, heute ist es dafür zu diesig.

Abends besuchen wir eine ausgesprochen exotische Veranstaltung, nämlich einen Auftritt der tanzenden Derwische. In ihren langen weißen Gewändern drehen sich die fünf Männer zu rythmischer Musik minutenlang wie fünf Kreisel um ihre Achse und dann, nach kurzem Innehalten, wieder und immer wieder. Was für ein beeindruckendes Erlebnis.

Dienstag, 2. November 2010

Vom Muezzin geweckt

„Allah ist am größten. Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah. Auf zum Gebet!” schallt es von allen Minaretten. Und weil es noch ganz früh am Morgen ist, fügt der blecherne Rufer auch noch ein „das Gebet ist besser als der Schlaf” hinzu.

Obwohl wir natürlich kein Wort verstehen, widmen wir den heutigen Tag pflichtbewußt einem Besuch der Hagia Sophia oder auf türkisch Ayasofya. Dieses Mal mit Schuhen, aber erneut um je 20 TL erleichtert. Allein das Stativ besteht wie schon gestern die Sicherheitsprüfung nicht und piepst wie wild, denn es ist aus Metall und muß wie seine dreibeinigen Kollegen zurückbleiben. Zum Glück bietet die gewaltige einstige Kirche, die zweitgrößte nach dem Petersdom, entlang der Empore genügend Auflageflächen für wackelfreie Aufnahmen der Säulen und Kuppeln sowie der christlichen Mosaike und natürlich auch hier wieder zahlreicher Koranverse, denn der Riesenbau hat auch eine Vergangenheit als Moschee. Drei Stunden sind hier schnell verflogen.

Das schöne Wetter motiviert uns zu einem Abstecher an die Galatabrücke und zum Bahnhof Sirkaçi, der einst die Endstation des berühmten Orient Express war. Am Kai werden Heringe fangfrisch gegrillt und als Sandwich verkauft, sozusagen „Balik to Go”. Angesichts der Hundertschaften von Anglern auf der Brücke möchte man hier kein Fisch sein.

Des Fischgeruchs überdrüssig suchen wir den Heimweg ausgerechnet durch die Gassen des berühmten Grand Bazars, wo ein unbeschreibliches Gedränge herrscht. Und wieder erschallt der Ruf des Muezzin, da es um 17 Uhr dunkel wird. Es ist sicher die Einladung zum Nachtgebet.

Montag, 1. November 2010

Im Reich des Sultans

Das einstige osmanische Machtzentrum, der Topkapi Palast, ist heute ein Museum und kostet 20 TL Eintritt. Wie viele Besucher wohl kommen müßten, um mit deren Eintrittsgeldern einen Brillanten wie das 82-karätige Prunkstuck der Sammlung zu kaufen, falls das Original einmal abhanden käme, weil die ständige Bewacherin gerade ihre tarifrechtliche Pinkelpause nahm?

In den Räumen des Palastes drängen sich die Besucher vor den Panzerglas-Vitrinen mit all den vergoldeten und mit Edelsteinen reich geschmückten Diademen, Karaffen, Kästchen, Säbeln, Kaftanen, sogar ganzen Thronen. Dem ersten Saal folgt ein zweiter, diesem ein dritter und vierter, deren Wände reich mit Blumenornamenten und allerlei Schlaufen und Verzierungen geschmückt sind. Bordüren, die in Wirklichkeit aber Verse aus dem Koran sind. Welch eine Arbeit, zigtausend Fliesen einzeln zu bemalen! Auf einer Innenterrasse gewährt ein Balkon mit goldenem Baldachin einen romantischen Ausblick auf das Goldene Horn, wie man diesen Seitenarm des Bosporus nennt.

Wie man weiß, hat jeder Sultan immer auch einen Harem. Die Damen sind aber längst entschwunden, für 15 TL dürfen wir allerdings ihre ehemaligen Räume und Bäder besichtigen und auch dort viel Prunkvolles entdecken.

Auf dem Rückweg ins Hotel betreten wir noch auf strümpfenen Füßen die berühmte Blaue Moschee, die Schuhe zuvor wie Obst in eine Zellophantüte gestopft, denn Moscheen und Schuhe, das geht nicht zusammen. Der riesige Innenraum überwältigt mit Glasfenstern und Tausenden von Lampen. Wir Ungläubige müssen natürlich hinter der hölzernen Absperrung bleiben.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Bitte Ihren PIN betreten...

...und auf Enter eindrücken! Wie bitte? Jetzt haben wir heute morgen schon unsere Uhren eine Stunde zurückgestellt, nur um sie abends wieder auf türkische Zeit vorzustellen, und jetzt auch noch diese seltsame Aufforderung. Immerhin hat die türkische Lira sich zwischenzeitlich ihrer vielen Nullen entledigt, so daß nur noch zwei TL auf einen Euro kommen und wir keine Millionäre werden müssen, nur um mit der Metro zum Hotel zu gelangen ... wenn wir nur endlich die verflixte Station fänden! Der Wegweiser zielt eindeutig nach links, aber dort ist nur der Aufzug zum Parkdeck. Des Rätsels Lösung: das Parkdeck hat unten einen Zugang zur U-Bahn. Es hätte einen einfacheren Weg gegeben, wahrscheinlich hat aber die Taxi- Gewerkschaft dafür gesorgt, daß die Touristen ihn nicht so ohne weiteres finden.

Einfach und praktisch ist hingegen das Tarifsystem, man zahlt bei jedem Umsteigen wieder neu, das lästige Zonenzählen entfällt komplett. Ins Zentrum fährt die Tramvay, also beim Verlassen der Metro neuen Jeton ziehen, und weiter geht's. An welcher Station wir aussteigen müssen, hat uns das Aziyadė freundlicherweise mitgeteilt, und schon nach vier- bis fünfmaligem Fragen stehen wir vor unserem Domizil. Istanbul ist halt eine verwinkelte Stadt.

Freitag, 3. September 2010

Public Spaces


Wir kamen schon gestern im Trump Tower in den Genuß dieser für die Allgemeinheit geöffneten Bereiche im Inneren der Wolkenkratzer, heute lernen wir den wohl eindrucksvollsten "Public Space" kennen, den "Winter Garden" direkt an der WTC Site. Beim Einsturz der Twin Towers war das Glasdach natürlich zu Bruch gegangen, heute aber deutet nichts mehr auf den 11. September hin, und wir genießen es, inmitten des Finance Districts ein Weilchen in einem überdachten Palmenhain zu sitzen. Von der Empore aus liegt uns die Baustelle zu Füßen, wo der neue Freedom Tower bereits eine beachtliche Höhe erreicht hat.

Von hier gelangen wir zur Trinity Church, die schon lange nicht mehr das höchste Gebäude weit und breit ist, jedoch ein Ort der Ruhe und Besinnung inmitten des hektischen Treibens, ebenso wie ihr Friedhof mit den uralten Grabsteinen.

Für größere Exkursionen sind wir nach dem späten gestrigen Abendessen zu müde, und so durchstreifen wir noch das italienische Viertel mit seinen zahlreichen Restaurants sowie die "Chinatown" genannte Nachbarschaft, wo wir uns in einem kleinen Park niederlassen und angesichts der vielen Karten spielenden Asiaten fast wie in Peking fühlen.

Morgen früh werden wir unsere Koffer packen, Geschirr und Bettwäsche abgeben und uns mit dem roten Bus, der vier Wochen lang unser Zuhause war, zum Newark Liberty International Airport bringen lassen. Hinter uns liegen fast 10.000 Kilometer Fahrstrecke und unzählige faszinierende Eindrücke.

Donnerstag, 2. September 2010

The big Big Apple


Der Weg nach Manhattan führt für unseren Bus über die George Washington Bridge, denn für den Tunnel ist er zu hoch. Sehr früh schon treffen wir auf eine Straße, die Broadway heißt, aber nicht wie Broadway aussieht, denn wir sind hier noch in der Bronx.

Das Bistum New York baut hier seit Jahrzehnten an einer riesigen Kirche, St. John the Divine. Türme gibt es noch keine, aber das gotische Kirchenschiff ist beeindruckend, und ebenso das Chorgestühl.

Vorbei am Central Park führt uns die Tour zur Fifth Avenue, wo über schmucken Läden die Namen bekannter Modelabel glänzen. Wir dürfen überall hinein. Nach zahllosen Straßenquerungen gelangen wir schließlich an den Times Square mit seiner überbordenden Leuchtreklame. Unter anderem lockt ein Plakat der Ausstellung "King Tut" des National Geographic.

Der Eintritt ist mit 30 Dollar plus 5 für den Film recht happig, aber es lohnt sich, denn zu sehen sind die originalen Schätze aus dem Grab des Tutanchamun, in abgedunkelten Räumen eindrucksvoll in Szene gesetzt und unaufdringlich mit Animationen ergänzt, dazu originale Filmdokumente und Fotos der Bergung sowie einige wenige Lesetexte. So müssen Ausstellungen sein.

Wie so oft haben wir uns von der Gruppe abgesetzt, wir treffen sie später am Hafen wieder. Auch das Empire State Building lassen wir aus, wir hatten das Vergnügen ja schon einmal. Und die Met Opera ist eine alte Bekannte, neu ist für uns nur die Übertragung der Vorstellung nach außen auf eine Riesenleinwand.

Über einen riesigen Umweg, der Bus darf wie erwähnt nicht durch den Tunnel, gelangen wir sehr spät am Abend zu unserem letzten Nachtplatz auf der anderen Seite des Hudson River.

Mittwoch, 1. September 2010

Interstate 90 ff.

Laut Reiseplan hätten die Niagara-Fälle erst heute Vormittag auf der Agenda gestanden, wir haben durch die frühe Abfahrt also drei Stunden Vorsprung gegenüber dem Reiseplan. Was machen wir mit der gewonnenen Zeit? Vielleicht einen kleinen "Scenic Drive" zu einem der Finger Lakes? Oder zu einem interessanten Platz für die Mittagspause? Antwort: nichts! Gar nichts. Es wird durchgebrettert, als ginge es um jede Minute. Und so sind wir schon um 17:00 Uhr auf dem Campingplatz.

Dienstag, 31. August 2010

Der Fall der Fälle


Das erste, das wir von den Fällen wahrnehmen, ist der Regenbogen, der in leuchtende Farben die Schlucht unterhalb des Hufeisenfalls überspannt. Die herüber wehende Gischt ist angenehm kühl auf der Haut, denn es ist sommerlich heiß. In der Tiefe kämpft sich ein Schiff flussaufwärts durch Wassernebel und wirbelnde Strömung, die "Maid of the Mist".

Von hier gesehen strömt da Wasser auf den Abgrund zu und verschwindet in der Tiefe, wir gehen ein paar Schritte den Fußweg entlang, um den gewaltigen Vorhang von seiner eindrucksvollsten Seite aus zu sehen. Wo sie über die Kante stürzen, sind die Wassermassen grün, wo sie unter gewaltigem Tosen auftreffen, steigt dichter Nebel herauf, bis in den blauen Himmel über uns.

Drüben auf der anderen Flußseite stürzen die amerikanischen Fälle herab, kaum weniger beeindruckend. Um die volle Pracht genießen zu können, mussten wir für einen Tag nach Kanada einreisen.

Wir laufen den Weg zwischen der Schlucht und den Hotelbauten, die samt dem Aussichtsturm mit Außenlift hier versammelt stehen, ein Stück hinab, bis wir den amerikanischen Fällen Aug in Aug gegenüber stehen. Was für ein gigantischer Vorhang aus Wasser!

Als wir zum Hufeisenfall zurückkommen, steht die Sonne tiefer und der Regenbogen entsprechend höher, aber nicht weniger eindrucksvoll.

Montag, 30. August 2010

Eine faszinierende Skyline


Geister-Camping: es gibt kein WLAN, noch nicht einmal in der Nähe der (geschlossenen) Rezeption. Bis auf die antiquierten Waschräume und die Laundry ist alles verrammelt. In der letzteren dichte Spinnweben und ein Automat für Waschmittel, leer bis auf ein einziges Fach, und das klemmt. Nur deshalb ist auch noch etwas drin. Im Freien hält man es nicht aus, wegen der unzähligen Schnaken. Man kann eigentlich nur mit den Hühnern zu Bett gehen und still vor sich hin schwitzen.

Chicago

Wie alle amerikanischen Großstädte hat auch Chicago ein faszinierendes Flair, das durch die Lage am riesigen Lake Michigan noch verstärkt wird. Unser Bus gelangt durch ein Gewirr von Spaghetti-Kreuzungen hinüber zur Lake Front und dann hinaus auf die künstliche Halbeinsel des Adler Planetariums, von wo aus sich die Kette der Wolkenkratzer besonders eindrucksvoll darbietet. Höhepunkt ist natürlich der Willis Tower (der frühere Sears Tower) mit 443 Metern Hpöhe, plus Antennen.

Wir verlassen die Reisegruppe und besuchen das Planetarium, wo in einer eindrucksvollen 3D-Simulation die Entstehung des Universums und der Galaxien gezeigt wird, begleitet von einer Raumfahrt-Ausstellung samt originaler Gemini-Kapsel. Als wir wieder hinaustreten, sind Wolken aufgezogen, und die Skyline sieht ganz anders aus als im morgendlichen Gegenlicht.

Vorbei an den anderen bedeutenden Museumsbauten und dem Springbrunnen gelangen wir zur Millenium Plaza, einer offenen Konzertbühne mit einer von eleganten Bögen überspannten Rasenfläche als Auditorium. Ganz in der Nähe dann ein verspiegeltes Etwas, das "Cloud Gate", sowie der Videobrunnen mit einem riesigen Gesicht, dessen Lippen sich von Zeit zu Zeit spitzen und einen Wasserstrahl ausstoßen.

Unter der Hochbahn, dem "Loop" hinweg geht es nun zum Willis Tower, dem Treffpunkt der Gruppe. Von weitem war er gut zu sehen, aber hier zwischen all den anderen Wolkenkratzern? Ich Frage einen Passanten, der - amerikanische Hilfsbereitschaft - mit mir bis zur nächsten Kreuzung geht, wo der Turm zu sehen ist. Thank you very much, Sir.

Leider müssen wir Chicago schon um 15 Uhr wieder verlassen, um noch ein paar Stunden den Niagarafällen entgegen zu fahren.

Sonntag, 29. August 2010

Ein Reisetag


Amerikanische Supermärkte sind ein Erlebnis. Schon am Eingang wird der Kunde freundlich begrüßt und mit einem Einkaufswagen beglückt. Und dann das Warenangebot! Außer richtigem Brot gibt es so gut wie alles, das zunächst ebenfalls vermißte Sprudelwasser heißt hier "Soda Water". Nun aber flugs zur Kasse. "Sie können an diese hier gehen", gibt mir der Einweiser zu verstehen. Dabei hatten wir gerade festgestellt, daß wir mit weniger als 20 Artikeln auch die Schnellkasse hätten nehmen dürfen. Aber hier geht es noch schneller. Zu unserer Verblüffung packt die Kassiererin die Artikel auch gleich in Plastiktaschen und dreht am Karussell, wir müsen die Tüten nur aufgreifen. Beim Verlassen des Marktes nimmt uns der Grüß-Gott-Onkel mit einem freundlichen "have a nice day" den leeren Wagen ab. Wie gesagt, ein Erlebnis für uns servicewüsten-gewöhnte Deutsche.   

Von der Querung des Mississippi abgesehen, des "Ol'Man River", bietet der Tag ansonsten nur hübsche Ausblicke auf eine abwechslungsreiche, landwirtschaftlich geprägte Gegend.

Samstag, 28. August 2010

Von der Maus zum Mais


Der heutige Tag bringt uns von den Badlands, die wir noch einmal auf einem Rundweg erkunden und dabei einer entzückenden Wüstenspringmaus begegnen, in eine weitläufige Landschaft, die zunächst noch von Viehweiden, später dann von Mais- und Sojafeldern geprägt ist, nach Mitchell, der Stadt mit dem weltweit einzigartigen "Corn Palace", einer Art Mehrzweckhalle, deren Außenfassade mit Bildern aus verschiedenfarbigen Maiskolben dekoriert ist. Die Motive wechseln jährlich, das heurige Motto scheint wohl "Verkehrsmittel" zu lauten.

Kurz vorher fahren wir für eine Mitreisende das Krankenhaus an, die Reiseleiterin steigt mit ihr aus. Daß die beiden anschließend den geparkten Bus suchen und wegen des Straßenfestes nicht finden, hält uns unerwartet auf, die geplante Visite von Sioux Falls entfällt.

Freitag, 27. August 2010

In Stein gemeißelt


Amerikanische Straßen haben gelbe Mittelstriche, wo Gegenverkehr herrscht, während alles andere wie bei uns weiß ist. Das gilt auch bei getrennten Fahrbahnen, und getrennt heißt in Amerika, daß die Gegenfahrbahn in erheblichem Abstand verläuft. Keine Notwendigkeit für Mittelleitplanken. Und so ist die Interstate einfach nur ein Betonband, das sich malerisch zwischen sanften Hügeln hindurchschlängelt, wobei die gelbe Linie tunlichst links sein sollte.

Wir erreichen die Kleinstadt Deadwood, ein malerisches Westernstädtchen mit Saloons und Casinos. Dann geht es weiter zu den berühmten Präsidentenköpfen. Hier am Mount Rushmore wurde ein ganzer Berg zum Nationaldenkmal umgearbeitet, die Köpfe der Präsidenten Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt sind jeweils rund 18 Meter hoch. Ein Museum am Bergfuß dokumentiert die Arbeiten am Monument und die Verdienste der Dargestellten.

Gegen Abend erreichen wir die Badlands, eine (wer hätte das gedacht?) von Naturkräften geformte Landschaft, die sich durch verschieden gefärbte Bänder und tief zerfurchte Hänge auszeichnet, so daß mehr oder weniger bizarre Felsnadeln übrig blieben. Das nahe Visitor Center zeigt einen Film über die einzigartige Tierwelt der Gegend.

Donnerstag, 26. August 2010

Des Teufels steinerner Turm


Heute kommen wir in eine Gegend mit interessanten Landschaftsformen. Das ist in Nordamerika nichts Ungewöhnliches, und doch ist jede dieser Naturlandschaften anders. Diese hier hat zum Beispiel einen Wasserfall. Im weiteren Verlauf schlängelt sich die Straße bis auf zweieinhalbtausend Meter hinauf, man nennt diese Gegend die Bighorn Mountains. Und wieder hinab, denn jetzt verlassen wir endgültig die Rockies und kommen in die weite Prärie, die schon von oben als schier endlos weite Ebene zu sehen war.

Und dann, plötzlich, taucht er in der Ferne auf: der Devils Tower. Es gibt ja an den verschiedensten Stellen der Welt jene markanten sechseckigen Lavasäulen, aber nur hier formen sie einen ganzen Berg, der wie ein gigantischer, 270 Meter hoher Turm in der Landschaft steht. Wir umrunden den unbesteigbar wirkenden Monolithen einmal zu Fuß und beziehen dann in Sichtweite Quartier.

Mittwoch, 25. August 2010

Buffalos!


Gleich am frühen Morgen geht es wieder hinein in den Park, an den Hot Springs von gestern vorbei und hinüber zum Wasserfall, den wir zuerst von einem Waldweg aus bewundern und ihm dann, nach kurzer Fahrt, am Artists Point quasi Aug in Aug gegenüber stehen. Hier stürzt nicht ein Bächlein, sondern ein ganzer Fluß über die Steilstufe herab, eine gewaltige Gischtwolke hervorbringend.

Dann geht es weiter, dem Mittagsziel entgegen. Achten Sie auf Büffel, ermahnt uns die Reiseleiterin. Und dann, in einer weitläufigen Wiesenfläche ... Das sind ja Dutzende von Tieren! Weiträumig verteilt stehen sie äsend im satten Grün oder am Ufer des Baches. Und es sind Jungtiere dabei! Was für ein Erlebnis, wir können uns kaum satt sehen. Und dann, wenige hundert Meter weiter, eine noch größere Herde. Auch hier wieder: aussteigen, fotografieren, und schon geht es weiter.

Die Mittagspause verbringen wir an einer Lodge, einem riesigen Holzhaus mit offenen Kaminfeuern - und weihnachtlicher Dekoration! Ja, spinnen die Amis denn? Des Rätsels Lösung: vor über 100 Jahren geriet eine Gruppe Touristen am 25. August hier in einen Schneesturm, saß fest - und beschloß, Weihnachten zu feiern. Die Tradition wurde bis heute beibehalten.

Noch ein Abstecher zum Seeufer, dann geht es hinaus aus dem Park und weiter in Richtung Cody, wo wir um 15:00 Uhr eintreffen. Eine dreiviertel Stunde Supermarkt, eine knappe Stunde Stadtbummel ... wir verbringen eigentlich mehr Zeit mit Einkaufen als mit den eigentlichen Attraktionen.

Nach dem Abendessen verbringt ein Teil der Reisegruppe den Abend bei einem Rodeo, denn dies ist die Stadt des legendären Buffalo Bill.

Dienstag, 24. August 2010

Die Erde dampft


Endlich sind wir im berühmten Yellowstone-Park. Gleich rechts lockt ein Bohlenweg, der zwischen dampfenden Erdspalten und blubbernden Tümpeln hinabführt zum See. Die Vorauslaufenden geben Zeichen: in der taufeuchten Wiese haben es sich zwei Karibus gemütlich gemacht. Daß man so nah an wild lebende Tiere herankommt, ist schon etwas Besonderes. Aber es kommt noch besser.

Der "Old Faithful" ist ein Geysir, der regelmäßig alle eineinviertel Stunden ausbricht. Die nächste Vorstellung wird 5 vor 11 erwartet. Wir nehmen auf einer der Sitzreihen Platz, näher darf niemand an den alten Verläßlichen herantreten. Das Schauspiel beginnt 10 Minuten früher und fällt nicht ganz so spektakulär aus wie erwartet, aber immerhin: unter Fauchen und Zischen steigt eine dampfende Wasserfontäne in den blauen Himmel. Nach drei Minuten ist die Vorstellung vorbei, und das Publikum spendet Beifall. Wir wenden uns dem Rundweg zu, der uns an diverse geothermische Erscheinungen heranführt ... und geraten in Eile, denn der Weg ist lang und die Mittagspause kurz.

Nächstes Etappenziel im Park ist eine Gruppe von Wasserflächen mit verschieden bunten Ausblühungen in Ufernähe. Auch hier steigen Dampfwolken auf, und auch hier drängt die Zeit, denn der Park ist groß und die Fahrtstrecken lang. Nahe der Nordzufahrt locken Terrassen aus weißem oder schwefelfarbigem Sinter, dazwischen vereinzelt auch abgestorbene Bäume. Ein Bild wie aus einer anderen Welt. Leider sind viele Terrassen trocken gefallen, weil die heißen Quellen sich selbst den Weg verbauen, erst ganz am Ende des Weges entdecken wir eine Stelle, wo dampfendes Wasser hervorbricht und neue Becken und Kaskaden formt, auch über den ehemaligen Weg hinweg.

Dann geht dieser eindrucksvolle Tag zu Ende.

Montag, 23. August 2010

10 Minuten müssen reichen...


...für einen Nationalpark, der ein wunderschönes Landschaftsbild, eine reiche Flora und Fauna sowie einen weitläufigen See bietet, in dem sich die Viertausender der Grand Teton Kette spiegeln. Theoretisch. Denn als wir das Ziel der heutigen Etappe erreichen, ist die Sonne bereits untergegangen. Zudem liegt der Platz mitten im Wald, von Aussicht keine Spur.

Der Tag beginnt mit einer bösen Überraschung, der linke Vorderreifen unseres Vehikels ist platt. Zwar hat der Bus für solche Fälle einen Kompressor an Bord, aber in die Werkstatt muß er doch. Eine Stunde Wartezeit, dann geht es endlich los.

Nutzfahrzeuge benötigen in Amerika ein Permit. Und zwar für jeden Bundesstaat ein neues, das an einer Kontrollstation erst einmal ausgestellt werde muß. Wir berühren heute Utah, Idaho und Wyoming.

Als wir endlich auf dem Campground eintreffen, stellt sich heraus: man hat uns statt bei den RVs (Recreational Vehicles) auf den Gruppenplatz eingeteilt, wo es für den Rotel-Bus weder Wasser- noch Stromanschluß gibt. Auch keine Duschen. Zum Glück reicht das bordeigene Kabel bis zur Waschhütte, so daß wir wenigstens Licht haben, denn dieser Platzteil ist unbeleuchtet.

Vor dem Abendessen werden noch die großen Koffer aus dem Bauch des Busses geholt, damit wir für die kommenden 3 Tage das Notwendige in die Bordtasche umpacken können.

Erwähnt werden sollte noch, daß wir im Laufe dieses Tages Zeugen einer Schießerei zwischen einem Cowboy und dem Sheriff gerieten, auch Indianer und vollbusige Bardamen waren zugegen und jede Menge Schaulustige. Das alles passierte im Städtchen Jackson am Snake River, sie feierten dort gerade irgend ein Jubiläum.

Sonntag, 22. August 2010

Bei den Mormonen


Auf mein ungläubiges Kopfschütteln hin brach in Salt Lake City ein heftiger Gewittersturm los, der ganze Äste von den Bäumen riß. Aber ich wollte nun einmal nicht glauben, daß das Buch der Mormonen auf Schriften zurückgeht, die zwischen 600 vor bis 400 nach Christi Geburt auf dem amerikanischen Kontinent verfaßt wurden, und zwar in reformiertem Alt-Ägyptisch. Die junge Missionarin wußte aber auch noch anderes über ihren Glauben zu erzählen und auch über die verschiedenen Gebäude im Tempelbezirk, ihre Baugeschichte und Funktion.

Im Tabernakel, einem Gebäude mit gewölbtem Dach und eindrucksvoller Akustik, erlebten wir zuvor eine Vorführung der gewaltigen Orgel, die mit mehr als 11.000 Pfeifen zu den größten der Welt zählt. Den in Weiß gehaltenen Tempel zu betreten bleibt allerdings den Mitgliedern der Sekte vorbehalten.

Samstag, 21. August 2010

Steinerne Gestalten


Die Nationalparks sind nicht nur groß, sondern es liegen auch beträchtliche Entfernungen zwischen ihnen. Und so kommt es, daß wir erst am späten Nachmittag beim Bryce Canyon eintreffen, nicht ohne zuvor einen zehnminütigen Stopp am Red Canyon eingelegt zu haben, faszinierende Erosionsformen aus rotem Sandstein, die jedoch von denen des Bryce Canyon noch bei weitem übertroffen werden. In einem weiten Halbrund, das wir quasi vom oberen Rang aus betrachten, stehen zahllose Felsgestalten Seit an Seit, die meisten rot, andere weiß, man weiß kaum wo man zuerst hinsehen soll. Nach exakt 20 Minuten aber heißt es einsteigen, zum nächsten Ausblick fahren, und dann noch zu einem dritten. Und dort passiert es dann: jeder läuft zu einem anderen Punkt und wartet dort auf den anderen. Als wir einander endlich finden, ist die Zeit auch schon um. EigenKtlich bräuchte man einen ganzen Tag, um die Felsgebilde auf einem der Trails zu Fuß zu durchstreifen, aber es will ja auch noch das Rotel aufgebaut und das Abendessen gekocht sein.

Freitag, 20. August 2010

Marlboro-Landschaft


Die Fahrt führt heute durch Indianerland. Die hier lebenden Navajo halten erstens gerne Abstand zum Nachbarn und zweitens nicht viel vom Häuschen mit Garten, sie leben in Mobile Homes, die einfach irgendwo in der Prärie stehen, oft umgeben von allerlei altem Gerümpel. Und sie sind nicht eben gesprächig.

Auch der indianische Fahrer unseres Pickup nicht, mit dem wir mehr als zwei Stunden kreuz und quer durch eine Landschaft gefahren werden, die man für eine Filmkulisse halten könnte, wäre sie nicht so gewaltig. Nachdem er uns zu verschiedenen markanten Plätzen im erstaunlich weitläufigen Monument Valley gebracht hat, hebt er in einer Höhle zu einem traditionellen Gesang an. Was für ein erhabener Moment.

Donnerstag, 19. August 2010

Der große große Graben


Eine schnurgerade Straße, eine mit Kiefern bestandene Ebene. Nichts deutet darauf hin, daß ein Stück weiter vorne die Welt aufhört. Auch das Visitor Center könnte überall stehen. Und dahinter - ein Bauzaun! Wo ist er denn nun, der Canyon? Wir laufen den Zaun entlang, bis sich hinter einer Baumgruppe ganz plötzlich der Blick auftut in einen Graben, dessen jenseitiger Rand nur in weiter Ferne auszumachen ist, und dessen gewaltige Tiefe dem Blick von einer hohen Bergspitze ins Tal gleicht. Auch das Farbenspiel sucht seinesgleichen: ganz oben weiß, darunter Schichtstufen und Wände in verschiedenen Rottönen, und die erdgeschichtlich älteste Schicht lugt ganz unten in schiefergrün hervor. Dieses ehemalige Gebirge war bereits eingeebnet, als noch kein Lebewesen die Erde bevölkerte.

Wir laufen eine gute Stunde am Rande der Schlucht lang, dann nehmen wir den Shuttlebus zur "Hermit's Rest", wo sich wieder ganz andere Perspektiven auf die Wände und Schichten auftun. Und endlich zeigt sich auch der Colorado, der alles erschaffen hat im Laufe von Jahrmillionen.

Mittwoch, 18. August 2010

Venedig, Paris, Luxor? Las Vegas!


Wir schlendern den sogenannten Strip hinunter, wie man den Las Vegas Boulevard auch nennt. Was ist das denn? Vor einem Casino liegen einander zwei Piratenschiffe feindlich gegenüber. Schade, daß die Seeschlacht wegen des noch immer tobenden Sturms nicht stattfinden kann, aber wir werden reich entschädigt: ist das nicht die Rialtobrücke in Venedig? Nein, nur ein Casino. Wenige Meter weiter stehen wir vor dem Eiffelturm, wie sein originales Vorbild mit einem Restaurant in luftiger Höhe. Und hält dort nicht die New Yorker Freiheitsstatue ihre Fackel in den Wüstenhimmel von Nevada, den soeben ein paar rosafarbene Wolken zieren? Auch eine Pyramide gibt es, wie das ägyptische Vorbild wird sie von einem riesenhaften Sphinx bewacht.

Wir gönnen uns als besonderes Erlebnis eine Vorstellung des "Cirque du Soleil" in einem eigens für diese Show gebauten und vor allem ausgestalteten Theatersaal des MGM. Was für ein Erlebnis! Es ist nach zwei Uhr morgens, als wir zum Rotel zurückkehren.

Nach kurzer Nacht führt uns die heutige Fahrt zu einem Campingplatz in der Nähe des Grand Canyon, wir sind jetzt im Bundesstaat Arizona.

Dienstag, 17. August 2010

Regen in der Wüste


War das Landschaftsbild Kaliforniens noch von schier endlosen Wein- und Obstgärten geprägt, ändert sich dieses Bild, je weiter wir nach Osten kommen, wo als Fernziel die Wüstenstadt Las Vegas lockt. Anfangs stehen noch schwarze und braune Rinder auf grasbedeckten Hügeln. Dann aber wird die Vegetation zunehmend spärlich, und aus der Ferne grüßt die Edwards Air Force Base, wo gelegentlich Space Shuttles landen, wegen der verlässlichen Wetterlage.

Wir besichtigen eine ehemalige Bergbausiedlung, heute ein Freilichtmuseum mit allerlei nachgestellten Szenerien, einer kleinen Eisenbahn, dem ehemaligen Schulhaus sowie allerlei Läden, von der Sattlerei über den Mineralienshop bis zum Souvenierladen.

Ein Stück weiter geht über der Straße - man glaubt es kaum angesichts der wüstenhaften Vegetation - ein heftiger Regenschauer nieder, kurze Zeit später geraten wir in eine Wolke aus aufgewirbeltem Sand. Erstaunlich, was diese auf den ersten Blick so öde Landschaft mit ihren verstreuten Joshua Trees so alles aufzubieten hat.

Am Straßenrand zeigt Riesen-Plakat den King of Pop, wie er leibt und lebte. «Haben Sie gesehen», spricht die Reiseleiterin ins Mikro, «da war ein Plakat von Michel Douglas». Schallendes Gelächter im Bus.

Und dann kommt sie in Sicht, die Wüstenstadt Las Vegas. Und während Karl-Heinz der Fahrer das orangerote Gefährt zum Campingplatz steuert, erhaschen wir einen ersten Blick auf die Attraktionen, die es schon bald zu erkunden gilt.

Montag, 16. August 2010

Durch den Baum


Der Yosemite ist - wie alles in Amerika - gigantisch groß. Vom Campingplatz "Indian Flat" nahe des Parkeingangs dauert es mehr als zwei Stunden, bis wir endlich bei den Mammutbäumen ankommen. Auf dem letzten Stück verkehrt ein Shuttlebus, dann säumen die ersten der zimtbraunen Riesen den Wanderweg. Einige von ihnen tragen Namen, etwa der "Grizzly" - 2700 Jahre alt - oder der Bachelor, der sich seit nunmehr zwei Jahrtausenden nicht für eine der drei Grazien neben ihm entscheiden mag. Einer der Stämme ist so gewaltig, daß ein Auto durch den Tunnel fahren könnte, den man einst in seinen Stamm gesägt hat. Allein die Äste sind so groß wie anderswo ganze Bäume. Und neben dem Wurzelteller eines gefallenen Riesen sehen wir kurzlebigen Menschen wie Zwerge aus - einige dieser Bäume hier standen schon, als Jesus durch Palästina zog.

Vom Park aus geht es durch ausgedehtes Farmland hinunter nach Bakersfield, wo wir zwischen Autobahn und Rangierbahnhof einen recht unromantischen Platz beziehen. Es gibt hier des Nachts auch nicht so viele Sterne wie oben im Park.

Sonntag, 15. August 2010

Granitene Riesen


Der Vormittag bringt uns von Lodi direkt in das Yosemite Valley, wo sich schon bald zur Linken wie zur Rechten spektakuläre Blicke auf gewaltige graue Felswände auftun. Und auf einen Wasserfall, der nie den Boden erreicht. Das Tal ist touristisch perfekt erschlossen, es gibt sogar eine Buslinie mit diversen Haltestellen. Und es ist endlich einmal angenehm warm, fast könnte man sagen heiß. Leider ist unsere Zeit viel zu knapp bemessen für eine ausgedehnte Wanderung. Auf dem Weg zum zweithöchsten Wasserfall der Welt durchqueren wir ein würzig duftendes Mammutbaum-Waldstück und wenden uns dann dem Movie Theater zu, wo ein Film über die Geschichte des Parks gezeigt wird. Dann vertrauen wir uns dem Bus an in der Absicht, noch ein paar Schritte zu laufen, aber die Zeit läuft uns weg. Man könnte hier einen ganzen Urlaub verbringen.

Samstag, 14. August 2010

Golden Gate Bridge

Man ist nicht in San Francisco gewesen, wenn man nicht diese Brücke überquert hat. Wir passieren sie sogar zweimal, denn der weitere Weg führt nicht nach Norden über das Golden Gate, sondern über die andere, noch größere Oakland Bridge gen Osten, wo wir gegen Abend einen mit Bäumen bestandenen Campground bei Stockton erreichen. Jetzt, am Abend, brennen vor allen Wohnwagen und Zelten romantische Lagerfeuer, und der Abendhimmel ist voller Sterne.

Zurückblickend auf die Tage in San Francisco bleiben uns nicht nur die Bilder von Wolkenkratzern und Hängebrucken, sondern auch von Stadtvierteln mit romantischer Wohnbebauung im viktorianischem Stil, vom ausgedehnten Golden Gate Park mit dem alten Baumbestand, und vom Pier 39, der zweimal Treffpunkt mit dem Reisebus gewesen war. Ach ja, und von Eiskugeln, die so groß sind wie zuhause ein ganzer Eisbecher.

Freitag, 13. August 2010

Die Stadt der Cable Cars


San Francisco erweist sich als unerwartet ungemütlich für diese Jahreszeit, es ist neblig und auch ausgesprochen zugig. Zudem ist unsere Reiseleiterin beim Patienten geblieben, so daß wir den "Tag zur freien Verfügung" kurzerhand vorverlegen und uns in kleinen Gruppen aufmachen, die Stadt zu erkunden.

Selbstverständlich beginnt jede Stadtbesichtigung mit einer Fahrt im Cable Car, das wie eine Straßenbahn aussieht, jedoch von einem unterirdisch verlaufenden Zugseil die steilen Straßen der Stadt hinaufgezogen wird.

Von der Endstation sind es nur ein paar Schritte zum San Francisco Museum of Modern Art. Hier hängen berühmte Werke etwa von Roy Lichtenstein oder natürlich Andy Warhol. Nanu, erklingt da nicht irgendwo ein Stück aus Mozarts "Zauberflöte"? In einem dunklen Raum wird sie auf ungewöhnliche Art inszeniert: als Schattentheater mit allerlei höchst überraschenden Einfällen. Nebenan ein weiteres Videokunstwerk, und ehe man sich versieht, sind drei Stunden vorbei. Jetzt aber rasch noch durch Chinatown zur Lombard Street, jener berühmten Straße, die so steil ist, daß die Fahrbahn in Serpentinen geführt werden muß.

Donnerstag, 12. August 2010

Highway Number One


Diese Straße möchte jeder irgendwann einmal befahren, am liebsten mit einer Harley, in unserem Fall mit dem roten Reisebus, dessen rückwärtiger Teil aus 24 Schlafkabinen besteht. Und die wollen allmorgendlich erst einmal abgebaut werden. Also nicht die Kabinen, sondern die von einer Zeltbahn umschlossene Rampe, wo die Drei-Tages-Taschen stehen und die Kleiderbügel hängen. Auch eine mobile Küche gibt es, sie ist an der linken Busseite verbaut und zaubert so phantastische Gerichte wie Bohneneintopf oder Würstchen mit Kraut. Bei dieser Reise zählen nicht Bequemlichkeit und Komfort, sondern erlebnisreiche Tage.

Das heutige Erlebnis hätten wir uns und vor allem dem Mitreisenden aber gerne erspart: er erleidet einen epileptischen Anfall und wird von der herbeigerufenen Ambulanz ins nahe Klinikum verbracht. Für ihn ist die Reise hier leider zu Ende.

Mittwoch, 11. August 2010

Von Los Angeles nach Morro Bay

Sechs Fahrspuren pro Richtung, vierstöckige Autobahnkreuze: wir nähern uns Los Angeles. Wohlbekannte Ortsnamen huschen vorbei. Und dann stehen wir - in einer kleinen mexikanischen Hazienda, ein paar Zimmer, ein Innenhof mit Kakteen. Dies ist also der Ursprung einer Metropole, die zu durchqueren heute Stunden dauert. Und die mit architektonischen Meisterwerken wie der Walt Disney Concert Hall glänzt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Einige Kilometer später sind die Gehwege voller Sterne, und auf ihnen berühmte Namen der Filmbranche, die bekanntlich hier in Hollywood zuhause ist. George Lucas, Steven Spielberg, Clint Eastwood, um nur einige zu nennen. Und auf einem kleinen Sockel sitzt - die leibhaftige Marylin Monroe. Aus Wachs. Ein Stück daneben ihre Hand- und Fußabdrücke, neben denen von Gary Grant und - man glaubt es kaum - Donald Duck!

Weiter geht die Fahrt nach Santa Barbara, einem schmucken Städtchen am Pazifik. Hier möchte man am liebsten gar nicht mehr weg. Aber das Ziel des heutigen Tages liegt einige Meilen nordwärts in der Morro Bay. Schade, daß Abendessen und Sonnenuntergang sich zeitlich überschneiden.

Dienstag, 10. August 2010

Mickeys Haus


Die Wände schief, Türen und Fensterrahmen sowieso, und sämtliche Möbel natürlich auch. So also lebt und wohnt Mickey Mouse. Aber Disneyland besteht nicht nur aus Toon Town, wie sich schon bald herausstellt. Was gibt es nicht alles zu erleben: eine Fahrt mit dem Mississippi Schiff zum Beispiel, oder auf einem Forschungsboot durch den Dschungel. Für die eine oder andere Fahrt müssen wir zwar auch schon einmal einige Minuten anstehen, aber das Warten erweist sich als recht kurzweilig. Und schon geht es hinein in das Bergwerk der sieben Zwerge oder direkt durch einen Ofen. Ganz schön heiß hier drinnen! Die Achterbahnfahrt führt an ein paar frechen Fröschen vorbei, die mit Wasser spritzen. Und um Tarzans Baumhaus von innen zu sehen, müssen wir zuerst eine schwankende Hängebrücke passieren. Sieben Stunden sind im Nu vorbei, ohne daß wir auch nur annähernd alles gesehen und mitgemacht hätten. Was für ein Tag.

Montag, 9. August 2010

The Old Town


...von San Diego ist ein Freilichtmuseum, wirkt aber keineswegs ausgestorben, denn in die alten Häuser sind Handwerker und allerlei Läden für indianisches und mexikanisches Kunsthandwerk eingezogen. Im Candle and Soaps Laden duftet es blumig, im Schuhladen nach Leder, und auch ein Saloon wirbt um Gäste. Die Hacienda nebenan scheint gerade eben noch bewohnt gewesen zu sein. Nicht nur im Upper Middle Class Haus des Sheriffs sind die anwesenden Personen stilgerecht gekleidet.

Schon bei der ersten Attraktion des heutigen Tages schien die Zeit stehen geblieben zu sein, das Coronado Hotel aus dem Jahr 1886 wirkt, als wären Thomas Alva Edison oder Marilyn Monroe - die hier in "Some like it hot" vor der Kamera stand - soeben erst zur Tür hinausgegangen. Aber auch heute noch residieren noble Gäste in dem mondänen Haus.