Dienstag, 31. August 2010

Der Fall der Fälle


Das erste, das wir von den Fällen wahrnehmen, ist der Regenbogen, der in leuchtende Farben die Schlucht unterhalb des Hufeisenfalls überspannt. Die herüber wehende Gischt ist angenehm kühl auf der Haut, denn es ist sommerlich heiß. In der Tiefe kämpft sich ein Schiff flussaufwärts durch Wassernebel und wirbelnde Strömung, die "Maid of the Mist".

Von hier gesehen strömt da Wasser auf den Abgrund zu und verschwindet in der Tiefe, wir gehen ein paar Schritte den Fußweg entlang, um den gewaltigen Vorhang von seiner eindrucksvollsten Seite aus zu sehen. Wo sie über die Kante stürzen, sind die Wassermassen grün, wo sie unter gewaltigem Tosen auftreffen, steigt dichter Nebel herauf, bis in den blauen Himmel über uns.

Drüben auf der anderen Flußseite stürzen die amerikanischen Fälle herab, kaum weniger beeindruckend. Um die volle Pracht genießen zu können, mussten wir für einen Tag nach Kanada einreisen.

Wir laufen den Weg zwischen der Schlucht und den Hotelbauten, die samt dem Aussichtsturm mit Außenlift hier versammelt stehen, ein Stück hinab, bis wir den amerikanischen Fällen Aug in Aug gegenüber stehen. Was für ein gigantischer Vorhang aus Wasser!

Als wir zum Hufeisenfall zurückkommen, steht die Sonne tiefer und der Regenbogen entsprechend höher, aber nicht weniger eindrucksvoll.

Montag, 30. August 2010

Eine faszinierende Skyline


Geister-Camping: es gibt kein WLAN, noch nicht einmal in der Nähe der (geschlossenen) Rezeption. Bis auf die antiquierten Waschräume und die Laundry ist alles verrammelt. In der letzteren dichte Spinnweben und ein Automat für Waschmittel, leer bis auf ein einziges Fach, und das klemmt. Nur deshalb ist auch noch etwas drin. Im Freien hält man es nicht aus, wegen der unzähligen Schnaken. Man kann eigentlich nur mit den Hühnern zu Bett gehen und still vor sich hin schwitzen.

Chicago

Wie alle amerikanischen Großstädte hat auch Chicago ein faszinierendes Flair, das durch die Lage am riesigen Lake Michigan noch verstärkt wird. Unser Bus gelangt durch ein Gewirr von Spaghetti-Kreuzungen hinüber zur Lake Front und dann hinaus auf die künstliche Halbeinsel des Adler Planetariums, von wo aus sich die Kette der Wolkenkratzer besonders eindrucksvoll darbietet. Höhepunkt ist natürlich der Willis Tower (der frühere Sears Tower) mit 443 Metern Hpöhe, plus Antennen.

Wir verlassen die Reisegruppe und besuchen das Planetarium, wo in einer eindrucksvollen 3D-Simulation die Entstehung des Universums und der Galaxien gezeigt wird, begleitet von einer Raumfahrt-Ausstellung samt originaler Gemini-Kapsel. Als wir wieder hinaustreten, sind Wolken aufgezogen, und die Skyline sieht ganz anders aus als im morgendlichen Gegenlicht.

Vorbei an den anderen bedeutenden Museumsbauten und dem Springbrunnen gelangen wir zur Millenium Plaza, einer offenen Konzertbühne mit einer von eleganten Bögen überspannten Rasenfläche als Auditorium. Ganz in der Nähe dann ein verspiegeltes Etwas, das "Cloud Gate", sowie der Videobrunnen mit einem riesigen Gesicht, dessen Lippen sich von Zeit zu Zeit spitzen und einen Wasserstrahl ausstoßen.

Unter der Hochbahn, dem "Loop" hinweg geht es nun zum Willis Tower, dem Treffpunkt der Gruppe. Von weitem war er gut zu sehen, aber hier zwischen all den anderen Wolkenkratzern? Ich Frage einen Passanten, der - amerikanische Hilfsbereitschaft - mit mir bis zur nächsten Kreuzung geht, wo der Turm zu sehen ist. Thank you very much, Sir.

Leider müssen wir Chicago schon um 15 Uhr wieder verlassen, um noch ein paar Stunden den Niagarafällen entgegen zu fahren.

Sonntag, 29. August 2010

Ein Reisetag


Amerikanische Supermärkte sind ein Erlebnis. Schon am Eingang wird der Kunde freundlich begrüßt und mit einem Einkaufswagen beglückt. Und dann das Warenangebot! Außer richtigem Brot gibt es so gut wie alles, das zunächst ebenfalls vermißte Sprudelwasser heißt hier "Soda Water". Nun aber flugs zur Kasse. "Sie können an diese hier gehen", gibt mir der Einweiser zu verstehen. Dabei hatten wir gerade festgestellt, daß wir mit weniger als 20 Artikeln auch die Schnellkasse hätten nehmen dürfen. Aber hier geht es noch schneller. Zu unserer Verblüffung packt die Kassiererin die Artikel auch gleich in Plastiktaschen und dreht am Karussell, wir müsen die Tüten nur aufgreifen. Beim Verlassen des Marktes nimmt uns der Grüß-Gott-Onkel mit einem freundlichen "have a nice day" den leeren Wagen ab. Wie gesagt, ein Erlebnis für uns servicewüsten-gewöhnte Deutsche.   

Von der Querung des Mississippi abgesehen, des "Ol'Man River", bietet der Tag ansonsten nur hübsche Ausblicke auf eine abwechslungsreiche, landwirtschaftlich geprägte Gegend.

Samstag, 28. August 2010

Von der Maus zum Mais


Der heutige Tag bringt uns von den Badlands, die wir noch einmal auf einem Rundweg erkunden und dabei einer entzückenden Wüstenspringmaus begegnen, in eine weitläufige Landschaft, die zunächst noch von Viehweiden, später dann von Mais- und Sojafeldern geprägt ist, nach Mitchell, der Stadt mit dem weltweit einzigartigen "Corn Palace", einer Art Mehrzweckhalle, deren Außenfassade mit Bildern aus verschiedenfarbigen Maiskolben dekoriert ist. Die Motive wechseln jährlich, das heurige Motto scheint wohl "Verkehrsmittel" zu lauten.

Kurz vorher fahren wir für eine Mitreisende das Krankenhaus an, die Reiseleiterin steigt mit ihr aus. Daß die beiden anschließend den geparkten Bus suchen und wegen des Straßenfestes nicht finden, hält uns unerwartet auf, die geplante Visite von Sioux Falls entfällt.

Freitag, 27. August 2010

In Stein gemeißelt


Amerikanische Straßen haben gelbe Mittelstriche, wo Gegenverkehr herrscht, während alles andere wie bei uns weiß ist. Das gilt auch bei getrennten Fahrbahnen, und getrennt heißt in Amerika, daß die Gegenfahrbahn in erheblichem Abstand verläuft. Keine Notwendigkeit für Mittelleitplanken. Und so ist die Interstate einfach nur ein Betonband, das sich malerisch zwischen sanften Hügeln hindurchschlängelt, wobei die gelbe Linie tunlichst links sein sollte.

Wir erreichen die Kleinstadt Deadwood, ein malerisches Westernstädtchen mit Saloons und Casinos. Dann geht es weiter zu den berühmten Präsidentenköpfen. Hier am Mount Rushmore wurde ein ganzer Berg zum Nationaldenkmal umgearbeitet, die Köpfe der Präsidenten Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt sind jeweils rund 18 Meter hoch. Ein Museum am Bergfuß dokumentiert die Arbeiten am Monument und die Verdienste der Dargestellten.

Gegen Abend erreichen wir die Badlands, eine (wer hätte das gedacht?) von Naturkräften geformte Landschaft, die sich durch verschieden gefärbte Bänder und tief zerfurchte Hänge auszeichnet, so daß mehr oder weniger bizarre Felsnadeln übrig blieben. Das nahe Visitor Center zeigt einen Film über die einzigartige Tierwelt der Gegend.

Donnerstag, 26. August 2010

Des Teufels steinerner Turm


Heute kommen wir in eine Gegend mit interessanten Landschaftsformen. Das ist in Nordamerika nichts Ungewöhnliches, und doch ist jede dieser Naturlandschaften anders. Diese hier hat zum Beispiel einen Wasserfall. Im weiteren Verlauf schlängelt sich die Straße bis auf zweieinhalbtausend Meter hinauf, man nennt diese Gegend die Bighorn Mountains. Und wieder hinab, denn jetzt verlassen wir endgültig die Rockies und kommen in die weite Prärie, die schon von oben als schier endlos weite Ebene zu sehen war.

Und dann, plötzlich, taucht er in der Ferne auf: der Devils Tower. Es gibt ja an den verschiedensten Stellen der Welt jene markanten sechseckigen Lavasäulen, aber nur hier formen sie einen ganzen Berg, der wie ein gigantischer, 270 Meter hoher Turm in der Landschaft steht. Wir umrunden den unbesteigbar wirkenden Monolithen einmal zu Fuß und beziehen dann in Sichtweite Quartier.

Mittwoch, 25. August 2010

Buffalos!


Gleich am frühen Morgen geht es wieder hinein in den Park, an den Hot Springs von gestern vorbei und hinüber zum Wasserfall, den wir zuerst von einem Waldweg aus bewundern und ihm dann, nach kurzer Fahrt, am Artists Point quasi Aug in Aug gegenüber stehen. Hier stürzt nicht ein Bächlein, sondern ein ganzer Fluß über die Steilstufe herab, eine gewaltige Gischtwolke hervorbringend.

Dann geht es weiter, dem Mittagsziel entgegen. Achten Sie auf Büffel, ermahnt uns die Reiseleiterin. Und dann, in einer weitläufigen Wiesenfläche ... Das sind ja Dutzende von Tieren! Weiträumig verteilt stehen sie äsend im satten Grün oder am Ufer des Baches. Und es sind Jungtiere dabei! Was für ein Erlebnis, wir können uns kaum satt sehen. Und dann, wenige hundert Meter weiter, eine noch größere Herde. Auch hier wieder: aussteigen, fotografieren, und schon geht es weiter.

Die Mittagspause verbringen wir an einer Lodge, einem riesigen Holzhaus mit offenen Kaminfeuern - und weihnachtlicher Dekoration! Ja, spinnen die Amis denn? Des Rätsels Lösung: vor über 100 Jahren geriet eine Gruppe Touristen am 25. August hier in einen Schneesturm, saß fest - und beschloß, Weihnachten zu feiern. Die Tradition wurde bis heute beibehalten.

Noch ein Abstecher zum Seeufer, dann geht es hinaus aus dem Park und weiter in Richtung Cody, wo wir um 15:00 Uhr eintreffen. Eine dreiviertel Stunde Supermarkt, eine knappe Stunde Stadtbummel ... wir verbringen eigentlich mehr Zeit mit Einkaufen als mit den eigentlichen Attraktionen.

Nach dem Abendessen verbringt ein Teil der Reisegruppe den Abend bei einem Rodeo, denn dies ist die Stadt des legendären Buffalo Bill.

Dienstag, 24. August 2010

Die Erde dampft


Endlich sind wir im berühmten Yellowstone-Park. Gleich rechts lockt ein Bohlenweg, der zwischen dampfenden Erdspalten und blubbernden Tümpeln hinabführt zum See. Die Vorauslaufenden geben Zeichen: in der taufeuchten Wiese haben es sich zwei Karibus gemütlich gemacht. Daß man so nah an wild lebende Tiere herankommt, ist schon etwas Besonderes. Aber es kommt noch besser.

Der "Old Faithful" ist ein Geysir, der regelmäßig alle eineinviertel Stunden ausbricht. Die nächste Vorstellung wird 5 vor 11 erwartet. Wir nehmen auf einer der Sitzreihen Platz, näher darf niemand an den alten Verläßlichen herantreten. Das Schauspiel beginnt 10 Minuten früher und fällt nicht ganz so spektakulär aus wie erwartet, aber immerhin: unter Fauchen und Zischen steigt eine dampfende Wasserfontäne in den blauen Himmel. Nach drei Minuten ist die Vorstellung vorbei, und das Publikum spendet Beifall. Wir wenden uns dem Rundweg zu, der uns an diverse geothermische Erscheinungen heranführt ... und geraten in Eile, denn der Weg ist lang und die Mittagspause kurz.

Nächstes Etappenziel im Park ist eine Gruppe von Wasserflächen mit verschieden bunten Ausblühungen in Ufernähe. Auch hier steigen Dampfwolken auf, und auch hier drängt die Zeit, denn der Park ist groß und die Fahrtstrecken lang. Nahe der Nordzufahrt locken Terrassen aus weißem oder schwefelfarbigem Sinter, dazwischen vereinzelt auch abgestorbene Bäume. Ein Bild wie aus einer anderen Welt. Leider sind viele Terrassen trocken gefallen, weil die heißen Quellen sich selbst den Weg verbauen, erst ganz am Ende des Weges entdecken wir eine Stelle, wo dampfendes Wasser hervorbricht und neue Becken und Kaskaden formt, auch über den ehemaligen Weg hinweg.

Dann geht dieser eindrucksvolle Tag zu Ende.

Montag, 23. August 2010

10 Minuten müssen reichen...


...für einen Nationalpark, der ein wunderschönes Landschaftsbild, eine reiche Flora und Fauna sowie einen weitläufigen See bietet, in dem sich die Viertausender der Grand Teton Kette spiegeln. Theoretisch. Denn als wir das Ziel der heutigen Etappe erreichen, ist die Sonne bereits untergegangen. Zudem liegt der Platz mitten im Wald, von Aussicht keine Spur.

Der Tag beginnt mit einer bösen Überraschung, der linke Vorderreifen unseres Vehikels ist platt. Zwar hat der Bus für solche Fälle einen Kompressor an Bord, aber in die Werkstatt muß er doch. Eine Stunde Wartezeit, dann geht es endlich los.

Nutzfahrzeuge benötigen in Amerika ein Permit. Und zwar für jeden Bundesstaat ein neues, das an einer Kontrollstation erst einmal ausgestellt werde muß. Wir berühren heute Utah, Idaho und Wyoming.

Als wir endlich auf dem Campground eintreffen, stellt sich heraus: man hat uns statt bei den RVs (Recreational Vehicles) auf den Gruppenplatz eingeteilt, wo es für den Rotel-Bus weder Wasser- noch Stromanschluß gibt. Auch keine Duschen. Zum Glück reicht das bordeigene Kabel bis zur Waschhütte, so daß wir wenigstens Licht haben, denn dieser Platzteil ist unbeleuchtet.

Vor dem Abendessen werden noch die großen Koffer aus dem Bauch des Busses geholt, damit wir für die kommenden 3 Tage das Notwendige in die Bordtasche umpacken können.

Erwähnt werden sollte noch, daß wir im Laufe dieses Tages Zeugen einer Schießerei zwischen einem Cowboy und dem Sheriff gerieten, auch Indianer und vollbusige Bardamen waren zugegen und jede Menge Schaulustige. Das alles passierte im Städtchen Jackson am Snake River, sie feierten dort gerade irgend ein Jubiläum.

Sonntag, 22. August 2010

Bei den Mormonen


Auf mein ungläubiges Kopfschütteln hin brach in Salt Lake City ein heftiger Gewittersturm los, der ganze Äste von den Bäumen riß. Aber ich wollte nun einmal nicht glauben, daß das Buch der Mormonen auf Schriften zurückgeht, die zwischen 600 vor bis 400 nach Christi Geburt auf dem amerikanischen Kontinent verfaßt wurden, und zwar in reformiertem Alt-Ägyptisch. Die junge Missionarin wußte aber auch noch anderes über ihren Glauben zu erzählen und auch über die verschiedenen Gebäude im Tempelbezirk, ihre Baugeschichte und Funktion.

Im Tabernakel, einem Gebäude mit gewölbtem Dach und eindrucksvoller Akustik, erlebten wir zuvor eine Vorführung der gewaltigen Orgel, die mit mehr als 11.000 Pfeifen zu den größten der Welt zählt. Den in Weiß gehaltenen Tempel zu betreten bleibt allerdings den Mitgliedern der Sekte vorbehalten.

Samstag, 21. August 2010

Steinerne Gestalten


Die Nationalparks sind nicht nur groß, sondern es liegen auch beträchtliche Entfernungen zwischen ihnen. Und so kommt es, daß wir erst am späten Nachmittag beim Bryce Canyon eintreffen, nicht ohne zuvor einen zehnminütigen Stopp am Red Canyon eingelegt zu haben, faszinierende Erosionsformen aus rotem Sandstein, die jedoch von denen des Bryce Canyon noch bei weitem übertroffen werden. In einem weiten Halbrund, das wir quasi vom oberen Rang aus betrachten, stehen zahllose Felsgestalten Seit an Seit, die meisten rot, andere weiß, man weiß kaum wo man zuerst hinsehen soll. Nach exakt 20 Minuten aber heißt es einsteigen, zum nächsten Ausblick fahren, und dann noch zu einem dritten. Und dort passiert es dann: jeder läuft zu einem anderen Punkt und wartet dort auf den anderen. Als wir einander endlich finden, ist die Zeit auch schon um. EigenKtlich bräuchte man einen ganzen Tag, um die Felsgebilde auf einem der Trails zu Fuß zu durchstreifen, aber es will ja auch noch das Rotel aufgebaut und das Abendessen gekocht sein.

Freitag, 20. August 2010

Marlboro-Landschaft


Die Fahrt führt heute durch Indianerland. Die hier lebenden Navajo halten erstens gerne Abstand zum Nachbarn und zweitens nicht viel vom Häuschen mit Garten, sie leben in Mobile Homes, die einfach irgendwo in der Prärie stehen, oft umgeben von allerlei altem Gerümpel. Und sie sind nicht eben gesprächig.

Auch der indianische Fahrer unseres Pickup nicht, mit dem wir mehr als zwei Stunden kreuz und quer durch eine Landschaft gefahren werden, die man für eine Filmkulisse halten könnte, wäre sie nicht so gewaltig. Nachdem er uns zu verschiedenen markanten Plätzen im erstaunlich weitläufigen Monument Valley gebracht hat, hebt er in einer Höhle zu einem traditionellen Gesang an. Was für ein erhabener Moment.

Donnerstag, 19. August 2010

Der große große Graben


Eine schnurgerade Straße, eine mit Kiefern bestandene Ebene. Nichts deutet darauf hin, daß ein Stück weiter vorne die Welt aufhört. Auch das Visitor Center könnte überall stehen. Und dahinter - ein Bauzaun! Wo ist er denn nun, der Canyon? Wir laufen den Zaun entlang, bis sich hinter einer Baumgruppe ganz plötzlich der Blick auftut in einen Graben, dessen jenseitiger Rand nur in weiter Ferne auszumachen ist, und dessen gewaltige Tiefe dem Blick von einer hohen Bergspitze ins Tal gleicht. Auch das Farbenspiel sucht seinesgleichen: ganz oben weiß, darunter Schichtstufen und Wände in verschiedenen Rottönen, und die erdgeschichtlich älteste Schicht lugt ganz unten in schiefergrün hervor. Dieses ehemalige Gebirge war bereits eingeebnet, als noch kein Lebewesen die Erde bevölkerte.

Wir laufen eine gute Stunde am Rande der Schlucht lang, dann nehmen wir den Shuttlebus zur "Hermit's Rest", wo sich wieder ganz andere Perspektiven auf die Wände und Schichten auftun. Und endlich zeigt sich auch der Colorado, der alles erschaffen hat im Laufe von Jahrmillionen.

Mittwoch, 18. August 2010

Venedig, Paris, Luxor? Las Vegas!


Wir schlendern den sogenannten Strip hinunter, wie man den Las Vegas Boulevard auch nennt. Was ist das denn? Vor einem Casino liegen einander zwei Piratenschiffe feindlich gegenüber. Schade, daß die Seeschlacht wegen des noch immer tobenden Sturms nicht stattfinden kann, aber wir werden reich entschädigt: ist das nicht die Rialtobrücke in Venedig? Nein, nur ein Casino. Wenige Meter weiter stehen wir vor dem Eiffelturm, wie sein originales Vorbild mit einem Restaurant in luftiger Höhe. Und hält dort nicht die New Yorker Freiheitsstatue ihre Fackel in den Wüstenhimmel von Nevada, den soeben ein paar rosafarbene Wolken zieren? Auch eine Pyramide gibt es, wie das ägyptische Vorbild wird sie von einem riesenhaften Sphinx bewacht.

Wir gönnen uns als besonderes Erlebnis eine Vorstellung des "Cirque du Soleil" in einem eigens für diese Show gebauten und vor allem ausgestalteten Theatersaal des MGM. Was für ein Erlebnis! Es ist nach zwei Uhr morgens, als wir zum Rotel zurückkehren.

Nach kurzer Nacht führt uns die heutige Fahrt zu einem Campingplatz in der Nähe des Grand Canyon, wir sind jetzt im Bundesstaat Arizona.

Dienstag, 17. August 2010

Regen in der Wüste


War das Landschaftsbild Kaliforniens noch von schier endlosen Wein- und Obstgärten geprägt, ändert sich dieses Bild, je weiter wir nach Osten kommen, wo als Fernziel die Wüstenstadt Las Vegas lockt. Anfangs stehen noch schwarze und braune Rinder auf grasbedeckten Hügeln. Dann aber wird die Vegetation zunehmend spärlich, und aus der Ferne grüßt die Edwards Air Force Base, wo gelegentlich Space Shuttles landen, wegen der verlässlichen Wetterlage.

Wir besichtigen eine ehemalige Bergbausiedlung, heute ein Freilichtmuseum mit allerlei nachgestellten Szenerien, einer kleinen Eisenbahn, dem ehemaligen Schulhaus sowie allerlei Läden, von der Sattlerei über den Mineralienshop bis zum Souvenierladen.

Ein Stück weiter geht über der Straße - man glaubt es kaum angesichts der wüstenhaften Vegetation - ein heftiger Regenschauer nieder, kurze Zeit später geraten wir in eine Wolke aus aufgewirbeltem Sand. Erstaunlich, was diese auf den ersten Blick so öde Landschaft mit ihren verstreuten Joshua Trees so alles aufzubieten hat.

Am Straßenrand zeigt Riesen-Plakat den King of Pop, wie er leibt und lebte. «Haben Sie gesehen», spricht die Reiseleiterin ins Mikro, «da war ein Plakat von Michel Douglas». Schallendes Gelächter im Bus.

Und dann kommt sie in Sicht, die Wüstenstadt Las Vegas. Und während Karl-Heinz der Fahrer das orangerote Gefährt zum Campingplatz steuert, erhaschen wir einen ersten Blick auf die Attraktionen, die es schon bald zu erkunden gilt.

Montag, 16. August 2010

Durch den Baum


Der Yosemite ist - wie alles in Amerika - gigantisch groß. Vom Campingplatz "Indian Flat" nahe des Parkeingangs dauert es mehr als zwei Stunden, bis wir endlich bei den Mammutbäumen ankommen. Auf dem letzten Stück verkehrt ein Shuttlebus, dann säumen die ersten der zimtbraunen Riesen den Wanderweg. Einige von ihnen tragen Namen, etwa der "Grizzly" - 2700 Jahre alt - oder der Bachelor, der sich seit nunmehr zwei Jahrtausenden nicht für eine der drei Grazien neben ihm entscheiden mag. Einer der Stämme ist so gewaltig, daß ein Auto durch den Tunnel fahren könnte, den man einst in seinen Stamm gesägt hat. Allein die Äste sind so groß wie anderswo ganze Bäume. Und neben dem Wurzelteller eines gefallenen Riesen sehen wir kurzlebigen Menschen wie Zwerge aus - einige dieser Bäume hier standen schon, als Jesus durch Palästina zog.

Vom Park aus geht es durch ausgedehtes Farmland hinunter nach Bakersfield, wo wir zwischen Autobahn und Rangierbahnhof einen recht unromantischen Platz beziehen. Es gibt hier des Nachts auch nicht so viele Sterne wie oben im Park.

Sonntag, 15. August 2010

Granitene Riesen


Der Vormittag bringt uns von Lodi direkt in das Yosemite Valley, wo sich schon bald zur Linken wie zur Rechten spektakuläre Blicke auf gewaltige graue Felswände auftun. Und auf einen Wasserfall, der nie den Boden erreicht. Das Tal ist touristisch perfekt erschlossen, es gibt sogar eine Buslinie mit diversen Haltestellen. Und es ist endlich einmal angenehm warm, fast könnte man sagen heiß. Leider ist unsere Zeit viel zu knapp bemessen für eine ausgedehnte Wanderung. Auf dem Weg zum zweithöchsten Wasserfall der Welt durchqueren wir ein würzig duftendes Mammutbaum-Waldstück und wenden uns dann dem Movie Theater zu, wo ein Film über die Geschichte des Parks gezeigt wird. Dann vertrauen wir uns dem Bus an in der Absicht, noch ein paar Schritte zu laufen, aber die Zeit läuft uns weg. Man könnte hier einen ganzen Urlaub verbringen.

Samstag, 14. August 2010

Golden Gate Bridge

Man ist nicht in San Francisco gewesen, wenn man nicht diese Brücke überquert hat. Wir passieren sie sogar zweimal, denn der weitere Weg führt nicht nach Norden über das Golden Gate, sondern über die andere, noch größere Oakland Bridge gen Osten, wo wir gegen Abend einen mit Bäumen bestandenen Campground bei Stockton erreichen. Jetzt, am Abend, brennen vor allen Wohnwagen und Zelten romantische Lagerfeuer, und der Abendhimmel ist voller Sterne.

Zurückblickend auf die Tage in San Francisco bleiben uns nicht nur die Bilder von Wolkenkratzern und Hängebrucken, sondern auch von Stadtvierteln mit romantischer Wohnbebauung im viktorianischem Stil, vom ausgedehnten Golden Gate Park mit dem alten Baumbestand, und vom Pier 39, der zweimal Treffpunkt mit dem Reisebus gewesen war. Ach ja, und von Eiskugeln, die so groß sind wie zuhause ein ganzer Eisbecher.

Freitag, 13. August 2010

Die Stadt der Cable Cars


San Francisco erweist sich als unerwartet ungemütlich für diese Jahreszeit, es ist neblig und auch ausgesprochen zugig. Zudem ist unsere Reiseleiterin beim Patienten geblieben, so daß wir den "Tag zur freien Verfügung" kurzerhand vorverlegen und uns in kleinen Gruppen aufmachen, die Stadt zu erkunden.

Selbstverständlich beginnt jede Stadtbesichtigung mit einer Fahrt im Cable Car, das wie eine Straßenbahn aussieht, jedoch von einem unterirdisch verlaufenden Zugseil die steilen Straßen der Stadt hinaufgezogen wird.

Von der Endstation sind es nur ein paar Schritte zum San Francisco Museum of Modern Art. Hier hängen berühmte Werke etwa von Roy Lichtenstein oder natürlich Andy Warhol. Nanu, erklingt da nicht irgendwo ein Stück aus Mozarts "Zauberflöte"? In einem dunklen Raum wird sie auf ungewöhnliche Art inszeniert: als Schattentheater mit allerlei höchst überraschenden Einfällen. Nebenan ein weiteres Videokunstwerk, und ehe man sich versieht, sind drei Stunden vorbei. Jetzt aber rasch noch durch Chinatown zur Lombard Street, jener berühmten Straße, die so steil ist, daß die Fahrbahn in Serpentinen geführt werden muß.

Donnerstag, 12. August 2010

Highway Number One


Diese Straße möchte jeder irgendwann einmal befahren, am liebsten mit einer Harley, in unserem Fall mit dem roten Reisebus, dessen rückwärtiger Teil aus 24 Schlafkabinen besteht. Und die wollen allmorgendlich erst einmal abgebaut werden. Also nicht die Kabinen, sondern die von einer Zeltbahn umschlossene Rampe, wo die Drei-Tages-Taschen stehen und die Kleiderbügel hängen. Auch eine mobile Küche gibt es, sie ist an der linken Busseite verbaut und zaubert so phantastische Gerichte wie Bohneneintopf oder Würstchen mit Kraut. Bei dieser Reise zählen nicht Bequemlichkeit und Komfort, sondern erlebnisreiche Tage.

Das heutige Erlebnis hätten wir uns und vor allem dem Mitreisenden aber gerne erspart: er erleidet einen epileptischen Anfall und wird von der herbeigerufenen Ambulanz ins nahe Klinikum verbracht. Für ihn ist die Reise hier leider zu Ende.

Mittwoch, 11. August 2010

Von Los Angeles nach Morro Bay

Sechs Fahrspuren pro Richtung, vierstöckige Autobahnkreuze: wir nähern uns Los Angeles. Wohlbekannte Ortsnamen huschen vorbei. Und dann stehen wir - in einer kleinen mexikanischen Hazienda, ein paar Zimmer, ein Innenhof mit Kakteen. Dies ist also der Ursprung einer Metropole, die zu durchqueren heute Stunden dauert. Und die mit architektonischen Meisterwerken wie der Walt Disney Concert Hall glänzt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Einige Kilometer später sind die Gehwege voller Sterne, und auf ihnen berühmte Namen der Filmbranche, die bekanntlich hier in Hollywood zuhause ist. George Lucas, Steven Spielberg, Clint Eastwood, um nur einige zu nennen. Und auf einem kleinen Sockel sitzt - die leibhaftige Marylin Monroe. Aus Wachs. Ein Stück daneben ihre Hand- und Fußabdrücke, neben denen von Gary Grant und - man glaubt es kaum - Donald Duck!

Weiter geht die Fahrt nach Santa Barbara, einem schmucken Städtchen am Pazifik. Hier möchte man am liebsten gar nicht mehr weg. Aber das Ziel des heutigen Tages liegt einige Meilen nordwärts in der Morro Bay. Schade, daß Abendessen und Sonnenuntergang sich zeitlich überschneiden.

Dienstag, 10. August 2010

Mickeys Haus


Die Wände schief, Türen und Fensterrahmen sowieso, und sämtliche Möbel natürlich auch. So also lebt und wohnt Mickey Mouse. Aber Disneyland besteht nicht nur aus Toon Town, wie sich schon bald herausstellt. Was gibt es nicht alles zu erleben: eine Fahrt mit dem Mississippi Schiff zum Beispiel, oder auf einem Forschungsboot durch den Dschungel. Für die eine oder andere Fahrt müssen wir zwar auch schon einmal einige Minuten anstehen, aber das Warten erweist sich als recht kurzweilig. Und schon geht es hinein in das Bergwerk der sieben Zwerge oder direkt durch einen Ofen. Ganz schön heiß hier drinnen! Die Achterbahnfahrt führt an ein paar frechen Fröschen vorbei, die mit Wasser spritzen. Und um Tarzans Baumhaus von innen zu sehen, müssen wir zuerst eine schwankende Hängebrücke passieren. Sieben Stunden sind im Nu vorbei, ohne daß wir auch nur annähernd alles gesehen und mitgemacht hätten. Was für ein Tag.

Montag, 9. August 2010

The Old Town


...von San Diego ist ein Freilichtmuseum, wirkt aber keineswegs ausgestorben, denn in die alten Häuser sind Handwerker und allerlei Läden für indianisches und mexikanisches Kunsthandwerk eingezogen. Im Candle and Soaps Laden duftet es blumig, im Schuhladen nach Leder, und auch ein Saloon wirbt um Gäste. Die Hacienda nebenan scheint gerade eben noch bewohnt gewesen zu sein. Nicht nur im Upper Middle Class Haus des Sheriffs sind die anwesenden Personen stilgerecht gekleidet.

Schon bei der ersten Attraktion des heutigen Tages schien die Zeit stehen geblieben zu sein, das Coronado Hotel aus dem Jahr 1886 wirkt, als wären Thomas Alva Edison oder Marilyn Monroe - die hier in "Some like it hot" vor der Kamera stand - soeben erst zur Tür hinausgegangen. Aber auch heute noch residieren noble Gäste in dem mondänen Haus.

Sonntag, 8. August 2010

So grön das Land


Die kürzeste Route von Europa nach Kalifornien verläuft erstaunlich weit nördlich. Ein schneebedeckter Vulkan auf Island grüßt herauf. Dann taucht unvermittelt eine Küste auf, mit blauen Buchten, vor denen weiße Kreuzfahrtschiffe ankern. Es sind Eisberge, geboren aus einem Gletscher, der sich zwischen den umgebenden Bergen hindurchzwängt. Die scheinbare Lieblichkeit der Landschaft täuscht, denn am Horizont schimmert der nie endende Winter, weiß so weit das Auge reicht, unterbrochen nur von winzigen Seeaugen, in denen sich der blaue Himmel spiegelt.

Samstag, 7. August 2010

Die erste Etappe

Auch die längste Reise beginnt mit einem ersten Schritt. In unserem Falle führt er in die Gigasaurier-Ausstellung des Frankfurter Senckenberg-Museums. Sich vorzustellen, daß so gewaltige Lebewesen einst über die Südhalbkugel der Erde stampften, fällt schwer. Die Ausstellungsmacher hielten sich mit Effekten angenehm zurück, die eindrucksvollen Exponate sprechen für sich.

Wer vormittags vom Frankfurter Flughafen starten will, tut gut daran, sich im Motel One in Niederrad einzuquartieren. Freundliches Personal, Frühstück ab 6 Uhr auch sonntags und ein Shuttlebus zum Flughafen, der auch gerne von seiner Route abweicht, wenn es den Gästen nützt.